AD(H)S bezeichnet eine Störung der Aufmerksamkeit und/oder eine übersteigerte Aktivität oder Impulsivität, die meist im Kindesalter diagnostiziert wird. Nach DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-IV) wird die Diagnose einer ADHS gestellt, wenn bei der betroffenen Person in den letzten sechs Monaten beständig starke Unaufmerksamkeit (z.B. Flüchtigkeitsfehler, mangelnde Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit bei Arbeiten oder Gesprächen, unorganisiertes Verhalten, Verlieren von Gegenständen, leichte Ablenkbarkeit durch äußere Reize etc.) und/oder Hyperaktivität/Impulsivität (z.B. Zappeln, starker Bewegungsdrang in unpassenden Situationen, übermäßige Gesprächigkeit, Stören anderer, nicht abwarten können) beobachtbar ist.

Unterschiedliche Typ-Merkmale
Symptome auch im Erwachsenenalter
Unsere Angebote
Symptomatik
Typen
Unterschiedliche Typ-Merkmale

Demnach wird zwischen einem vorwiegend unaufmerksamen Typus, einem vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Typus und einem Mischtypus unterschieden. Die Symptome müssen zu klinisch bedeutsamen Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Bereichen führen und dürfen nicht durch eine andere psychische Störung besser erklärbar sein. Auch müssen einzelne beeinträchtigende Symptome bereits vor dem Alter von sieben Jahren aufgetreten sein. 3% bis 7% der Schulkinder sind von ADHS betroffen, Jungen häufiger als Mädchen, v.a. beim hyperaktiv-impulsiven Typus. Meist bleibt das Störungsbild bis ins Jugendalter unverändert und kann sich im frühen Erwachsenenalter etwas abschwächen. In ICD-10 (International Classification of Diseases) wird das Störungsbild als hyperkinetische Störung bezeichnet. Dort sind für die Diagnose sowohl beeinträchtigte Aufmerksamkeit als auch Überaktivität notwendig. Für die Entstehung von ADHS scheinen genetische, neurol. und psychische Faktoren verantwortlich zu sein, wobei den biol. Faktoren offensichtlich die größere Bedeutung zukommt. Die biol.-somatische Erklärung postulierte die Theorie der zentralen (chronisch kortikalen) Untererregung (underarousal), die bei Patienten zu verminderter Handlungsfähigkeit und Einschränkungen des subjektiven Wohlbefindens führen (Satterfield & Dawson 1971).

Zur Kompensation des Aktivierungsmangels bzw. zur Erhöhung ihres kortikalen Erregungsniveaus suchten die Menschen nach ständiger Stimulation (Wender 1971). Empirische Untersuchungen (u.a. Brown et al. 1985) bestätigten diesen Ansatz nicht. Heutzutage geht man davon aus, dass ADHS-Patienten unter einer gestörten Aktivierungsmodulation leiden, d.h., sie haben Schwierigkeiten, ihr kortikales Erregungsniveau auf die wechselnden (Aufgaben-)Anforderungen umzustellen bzw. anzupassen (u.a. Schlottke & Roth 1989). Häufig werden zur medikamentösen Therapie Stimulanzien verabreicht. Operante Konditionierungstherapien werden allein oder in Kombination mit medikamentöser Therapie eingesetzt, deren Ziel darin besteht, Patienten mit ADHS für angemessenes Verhalten zu belohnen. Zudem sind auf ADHS-Patienten zugeschnittene Selbstinstruktionstrainings (Selbstinstruktion) bekannt.

Symptome auch im Erwachsenenalter

Behandlungsbedürftige Symptome der ADHS/ADS können in der Adoleszenz und im Erwachsenenalter fortbestehen. Die Häufigkeit von ADHS beträgt ca. 2%. Neben der Aufmerksamkeitsstörung und der Hyperaktivität sind die Leitsymptome innere Unruhe, starke Stimmungsschwankungen, Desorganisiertheit und Impulskontrollstörungen. Im Erwachsenenalter ist ADHS häufig mit negativen psychosozialen Folgen und komorbiden Erkrankungen wie z.B. Depression, Angststörungen und/oder Suchterkrankungen verbunden. Neben den negativen Auswirkungen verfügen Menschen mit ADHS aber auch häufig über positive Ressourcen (z.B. Kreativität).

Unsere Angebote

Unsere Klinik bietet Diagnostik und sich daraus ableitende Therapiemöglichkeiten und/oder -empfehlungen an. Falls bei Ihnen der Verdacht auf ADHS besteht und/oder sie Therapieempfehlungen wünschen, können Sie sich in unserer Spezialsprechstunde zu Diagnostik und Beratung vorstellen.

Symptomatik

Symptome der ADHS sind u. a. Konzentrationsschwierigkeiten mit erhöhter Ablenkbarkeit, Stimmungsschwankungen, motorische und innere Unruhe und impulsives Verhalten. Heute ist bekannt, dass sich eine ADHS mit dem Alter nicht regelhaft „auswächst“. Zwar wird mit dem Erwachsenwerden die zu beobachtende motorische Unruhe oft weniger, eine innere Unruhe bleibt jedoch häufig bestehen. Viele der Betroffenen sind auch im Erwachsenenalter noch sehr leicht ablenkbar und ungeduldig, haben Stimmungsschwankungen, können Stress nicht so gut aushalten oder handeln übereilt, zu sehr „aus dem Bauch“ heraus und unüberlegt. Ursachen: Für die Entstehung der ADHS werden im Wesentlichen körperliche Ursachen verantwortlich gemacht. So konnten in verschiedenen Untersuchungen vor allem Störungen des Dopamin-Stoffwechsels in bestimmten Hirnregionen gefunden werden, die zu beeinträchtigter Aufmerksamkeitssteuerung und Verhaltenskontrolle führen.

ADHS wird nach heutigem Wissen sehr stark genetisch mitbestimmt. Psychosoziale Faktoren können auf die Ausprägung und Schwere Einfluss nehmen. Häufigkeit: Im Erwachsenenalter wird noch eine Häufigkeit von ca. 2 % in der Gesamtbevölkerung angegeben. Im Kindesalter wird ADHS deutlich häufiger bei Jungen als bei Mädchen diagostiziert (2:1 bis 4:1), im Erwachsenenalter liegt die Verteilung noch bei knapp 2:1. Diagnostik: In Abhängigkeit der Ausprägung der Symptomatik werden

Typen

Kombinierte (ADHS), unaufmerksame (ADS) und hyperaktiv-impulsive Typ.

Für die Diagnosestellung ist gefordert, dass die Symptome bereits im Kindesalter vorhanden waren. Fragebögen: In unserer Klinik wenden wir zur Beurteilung der Ausprägung der Verlaufsbeurteilung und Symptome auch Fragebögen an. Neuropsychologische Testdiagnostik: Bei Bedarf werden neuropsychologische Untersuchungen durchgeführt, die vor allem die Aufmerksamkeitsleistungen (Daueraufmerksamkeit, selektive und geteilte Aufmerksamkeit), das Arbeitsgedächtnis und die Impulskontrolle untersuchen. Bei Interpretation der Ergebnisse ist jedoch zu berücksichtigen, dass Erwachsene mit ADHS häufig die Fähigkeit zum „Hyperfokussieren“ besitzen d.h., sie können sich bei Interesse und ausreichender Stimulation durchaus konzentrieren, so dass in vielen Fällen auch unauffällige Testergebnisse gefunden werden.

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer