Nichtorganische Brustschmerzen werden als atypische oder linksthorakale Brustschmerzen bezeichnet. Viele Patienten mit einer Angst- und Panikstörung leiden primär unter einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung im Sinne einer alarmierenden Brustschmerzsymptomatik.

Nichtkardiale Brustschmerzen
Verschiedene Symptome
Ängstliche Beobachtung der Brust
Sekundäre Depression
Nichtkardiale Brustschmerzen

Brustschmerzen sind der Hauptgrund für eine kardiale Untersuchung. Die Hälfte der Patienten, die wegen starker Brustschmerzen den Kardiologen aufsuchen, haben normale Koronararterien, d.h. keine organisch bedingte Beeinträchtigung der Herzkranzgefäße. Nach verschiedenen Untersuchungen ist sogar bei mehr als die Hälfte der Koronarangiographien, die wegen ernstzunehmender Verdachtsmomente durchgeführt wurden, kein organischer Befund nachweisbar.

Verschiedene Symptome

Häufigste Ursachen für Fehlklassifikationen im Sinne eines Verdachts auf eine Angina pectoris bestehen in folgenden Symptomen: Störungen der Speiseröhre (Reflux-ösophagitis, Motilitätsstörungen), costovertebrales Syndrom (von der Wirbelsäule bis zu den Rippen ausstrahlende Schmerzen), somatoforme kardiale Störung (Herzphobie).

Viele falsch-positiv diagnostizierte Brustschmerzpatienten weisen eine Angststörung, eine Depression oder eine Körperfixiertheit auf. Mindestens 70 % der Patienten mit unklaren Brustschmerzen erfüllen die Kriterien für eine psychiatrische Störung. Frauen berichten öfter als Männer von vorübergehenden oder andauernden Brustschmerzen.

Menschen mit atypischer Brustschmerzsymptomatik haben einen ganz bestimmten Wahrnehmungsstil für körperliche Symptome. Aufgrund einer Hypersensibilität gegenüber Stress und harmlosen körperlichen Veränderungen neigen sie dazu, jede Anspannung im Brustbereich als organisch bedingt zu interpretieren, vor allem wenn diese eher linksseitig lokalisiert ist. Ein derartiger Wahrnehmungsstil besteht oft auch bei vielen Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Beschwerden, weshalb sich diese häufig als Brustschmerzpatienten präsentieren.

Ängstliche Beobachtung der Brust

Die ängstliche Beobachtung der Brust kann zu einer zusätzlichen Verspannung der Brustmuskulatur führen, sodass sich das subjektive Gefühl von Brustschmerzen ergibt. Häufig handelt es sich jedoch um eine funktionelle, durch Angst oder Stress ausgelöste Verspannung der Speiseröhre und/oder des Magens.

Im klinischen Alltag findet man auch viele Menschen mit chronischer Schulter-Nacken-Verspannung, die in den Oberkörper ausstrahlende Schmerzen in herzphobischer Weise als Brustschmerzen interpretieren und sich selbst häufig als Panikpatienten bezeichnen.

Koronarpositive Patienten zeigen öfter eine ähnliche psychische Begleitsymptomatik, sodass keine ausreichende Differenzierung möglich ist (ohne Herzkathederlaborbefund).

Angst ist ein Kernsymptom bei Patienten mit somatoformen Brustschmerzen. Angst macht vielfach auch die typische Färbung der echten Angina pectoris aus. Angst zeigt sich im akuten Brustschmerzanfall als Alarmreaktion und lässt sich auch als eigenständiges Syndrom bei experimentell erzeugten Ischämie-Zuständen im Myokard durch intrakoronare Adenosin-Infusionen beobachten.

Sekundäre Depression

Zahlreiche Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit entwickeln eine sekundäre Depression, die oft mit Brustschmerzen einhergeht. Diese Symptomatik kann dann von den Betroffenen in ängstlicher Weise als neuerlich bevorstehender Herzinfarkt interpretiert werden.

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer