Depression, Burnout und kardiovaskuläre Erkrankungen

Ein wachsendes Problem vieler Menschen in westlichen Industrienationen sind Depression, Burnout und kardiovaskuläre Erkrankungen: In dieser Region zählen kardiovaskuläre Erkrankungen noch immer zu den häufigsten Todesursachen. (1,2) Ursachen dafür sind der weitverbreitete ungesunde Lebensstil und die daraus resultierenden Risikofaktoren wie Adipositas, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Nikotinabusus und arterieller Hypertonus.

Mit den sogenannten „Big Five“ der Risikofaktoren werden im Kanon auch immer wieder psychosoziale Belastungsfaktoren wie Depression und Burnout genannt, die aber in der kardiologischen Diagnostik und Behandlung häufig zu wenig Aufmerksamkeit erhalten.

Noch zu geringe Beachtung
Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko
Neues Wissen von großer Bedeutung
Günstige Effekte
Literaturhinweise
Noch zu geringe Beachtung

Obwohl sich Kardiologen im Zuge der Therapie umfassend mit lebensstilmodifizierenden Maßnahmen auseinandersetzen sollten, finden diese Komorbiditäten trotz einer hohen Prävalenz in ihrem Arbeitsalltag wenig Beachtung. Dabei ist bekannt, dass Belastungsfaktoren wie Depression, Angst oder niedriger sozialer Status mit einem erhöhten kardiovaskulären Erkrankungsrisiko und ungünstigerem Krankheitsverlauf verbunden sind. (3,4) Die stetige Zunahme von Depression und Burnout als häufigste psychische Störungen in den westlichen Industrienationen (weltweit leiden inzwischen ca. 300 Millionen Menschen an Depressionen) (5) unterstreichen die Relevanz dieser Krankheitsbilder im besonderen Maße auch für die Herz-Kreislauftherapie.

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

Noch immer finden psychosoziale Faktoren in den Richtlinien der großen kardiologischen Fachgesellschaften wie dem American College of Cardiology (ACC) und der American Heart Association (AHA) wenig Berücksichtigung. (6) Dabei ist gerade Depressivität prospektiv mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden und die Wahrscheinlichkeit für kardiale Ereignisse steigt schon bei einer relativ geringen Ausprägung der depressiven Symptome. (7) Außerdem ist der ungünstige Einfluss einer klinisch relevanten Depression auf den Verlauf kardiovaskulärer Erkrankungen und speziell der koronaren Herzkrankheit inzwischen belegt. (8,13) So prädisponieren affektive Syndrome und chronische Stressoren insbesondere für erhöhte Blutdruckwerte (9) und stehen in Verbindung mit einer subklinischen Arteriosklerose. (10,11) Jonas et al. (12) identifizierten Angst und Depression als Prädiktor für eine 7-16 Jahre später auftretende, Behandlungsbedürftige Hypertonus.

Neues Wissen von großer Bedeutung

Die Tatsache, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig mit depressiven Symptomen und Erkrankungen in Verbindung stehen und Depressivität prospektiv mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden ist, führt dazu, dass sich auch Ärzte unweigerlich mit diesen Krankheitsbildern auseinandersetzen müssen. Auch wenn die Behandlung affektiver Erkrankungen psychiatrisch-psychosomatischen Fachkräften überlassen werden sollte, ist das Wissen um die Zusammenhänge der beiden Krankheitsbilder von Bedeutung. Hier kann auch der behandelnde Arzt investigativ und präventiv tätig werden, um die Krankheitslast seiner Patienten zu senken. Dies kann im Endeffekt dem Therapieerfolg zuträglich sein, da eine Verbesserung der depressiven Symptomatik zum Abbau selbstschädigender Verhaltensmuster und zur Verbesserung der Patienten-Compliance führen kann. (18)

Günstige Effekte

Gerade die Bewegungstherapie scheint eine probate Begleittherapie zu sein, die bei richtiger Durchführung fast nebenwirkungsfrei ist und sich neben günstigen Effekten auf die psychische Gesundheit zudem positiv auf das kardiale Gesundheitsrisiko auswirken kann und das frei von gesellschaftlichen Stigmatisierungen. So konnte in eigenen Untersuchungen gezeigt werden, dass ein bewegungsorientiertes Therapiekonzept sich nicht nur günstig auf das psychische Wohlbefinden, sondern gleichfalls auf die Herzfrequenzvariabilität verschiedener hämodynamischer Parameter auswirkt. (19)

Literaturhinweise

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer