Die Bezeichnung Fibromyalgie enthält folgende Wortwurzeln: lateinisch: „fibra“ = Faser, griechisch: „mys“ = Muskel, griechisch: „algos“ = Schmerz. Bereits aus der Bezeichnung ist erkennbar, dass es sich um eine Störung handelt, bei der schmerzende Muskeln im Vordergrund stehen. Die Hauptmerkmale sind eine unbekannte zentralnervös bedingte Störung der Schmerzschwelle, bedingt durch eine defekte Schmerzunterdrückung, sowie Veränderungen in der zentralen Schmerzwahrnehmung.

Schmerzende Muskeln stehen im Vordergrund
Keine entzündliche Krankheit
Festhalten am Begriff Fibromyalgie
Breites Spektrum an Begleitstörungen
Psychische und mentale Störungen
Psychosoziale Beeinträchtigungen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus
Erniedrigte Schmerzschwelle mit sekundärer Hyperalgesie
Differenzialdiagnostik
Schmerzen am ganzen Körper
Ausweitung der Schmerzen
Oft erst späte Diagnose
Biologische Aspekte
Psychologische Aspekte
Soziale Aspekte
Relativ weite Verbreitung
Frauen über 35 als größte Krankheitsgruppe
Müdigkeit und Erschöpfung
Schmerzende Muskeln stehen im Vordergrund

Im Laufe des 18. Jahrhunderts unterschied man erstmals zwischen Gelenkrheuma und Muskelrheuma, zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die typischen Schmerzpunkte der Fibromyalgie erstmals beschrieben. Anfang des 20. Jahrhunderts glaubte man, dass das Muskelrheuma die Folge einer Muskelfaserentzündung (Fibrositis) sei. 1968 wurden die ersten Fibromyalgie-Fälle beschrieben und noch als „Fibrositis“ bezeichnet.

Keine entzündliche Krankheit

Seit Anfang der 1980er-Jahre ist klar, dass es sich bei der Fibromyalgie um keine entzündliche Krankheit handelt. Der Begriff „Fibromyalgie“ wurde 1976 vorgeschlagen und ersetzt seit Anfang der 1990er-Jahre die früher gebräuchlichen Begriffe „Fibrositis“ im angloamerikanischen Sprachraum und „generalisierte Tendomyopathie“ im deutschen Sprachraum. Im deutschen Sprachraum wurden auch die Begriffe „Weichteilrheuma“ oder „Myalgie“ verwendet. „Weichteilrheuma“ ist irreführend, weil kein Rheuma besteht (Rheumamittel sind unwirksam).

1990 veröffentliche das American College of Rheumatology die gegenwärtig verbindlichen zwei Diagnosekriterien der Fibromyalgie, die – bei Ausschluss anderer Erkrankungen – beide erfüllt sein müssen:

  1. Chronische generalisierte Schmerzen im Bewegungsapparat, insbesondere im Bereich der Muskulatur und der Muskel-Sehnen-Ansätze. Es bestehen ausgebreitete anhaltende Schmerzen in der linken und rechten Körperhälfte, im Ober- und Unterkörper und im Bereich des Achsenskeletts (Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule oder tief sitzender Kreuzschmerz). Der Schulter- und Beckengürtelschmerz wird als Schmerz der jeweiligen Körperhälfte betrachtet. Die multilokulären ausgedehnten Schmerzen mit wechselnder Intensität im Bereich der Muskulatur und der gelenknahen Weichteile müssen an allen vier Körperquadranten und dem Achsenskelett mindestens drei Monate lang andauern.
  1. Abnorme Schmerzen (erhöhte Druckempfindlichkeit) bei digitaler Palpation (Tastuntersuchung) an 11 von 18 typischen, genau definierten, hier jedoch nicht näher ausgeführten Körperpunkten (Tender Points). Bei der Fibromyalgie sind einzelne Muskel-Sehnen-Übergänge oder Stellen in der Nähe von Nervenaustrittspunkten besonders schmerzhaft. Bezüglich der Diagnosestellung sind auf jeder Körperhälfte jeweils 9 Druckpunkte relevant. Anatomisch gibt es über 70 mögliche Druckpunkte. Die Auswahl der Punkte ist zwar etwas willkürlich, erfolgte aber so, dass bei Druckschmerzhaftigkeit das Kriterium der generalisierten, weitgehend symmetrischen Muskelschmerzen erfüllt ist. Frauen weisen durchschnittlich vier, Männer durchschnittlich drei aktive Schmerzpunkte auf. Bei der Prüfung ist bei jedem Tenderpoint ein Druck von 4 kp/cm2 eine Sekunde lang vorgesehen. Die Schmerzhaftigkeit wird allein durch den Patienten festgestellt, am besten anhand einer Schmerzskala von 0–10. Diese genauen Empfehlungen stammen vom Arbeitskreis Fibromyalgie der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes.
Festhalten am Begriff Fibromyalgie

Beim Weltkongress zu Muskelschmerz und Fibromyalgie im Jahr 2004 wurde trotz kritischer Einwände am Begriff der Fibromyalgie festgehalten, jedoch auf die Notwendigkeit hingewiesen, diesen zukünftig weiterzuentwickeln und zu differenzieren. Neben dem Schmerzkriterium sollten auch noch andere Faktoren berücksichtigt werden: seelische Aspekte, Schlafstörung, Lebensqualität, funktionelle Syndrome und Einschränkungen in der praktischen Lebensführung.

Breites Spektrum an Begleitstörungen

Neben der chronisch generalisierten Schmerzsymptomatik entwickeln sich im Laufe der Zeit immer mehr Begleitstörungen wie funktionelle und vegetative Störungen. Häufig registriert werden zudem Schlafstörungen (besonders Störungen der Tiefschlafphase IV mit dem Gefühl der Zerschlagenheit am nächsten Morgen und dem Gefühl eines nichterholsamen Schlafes), Müdigkeit, chronisches Erschöpfungssyndrom, Magenempfindlichkeit, Darmbeschwerden (Reizdarmsyndrom mit Neigung zu Verstopfung, Durchfall und Blähungen), trockener Mund, Globusgefühl, Dysphonie, Kälteempfindlichkeit, kalte, schwitzende oder zitternde Hände, unregelmäßige Atmung (respiratorische Arrhythmie), funktionelle Atembeschwerden, funktionelle kardiale Beschwerden (Herzrasen, Herzklopfen, meist nächtliche Arrhythmien), orthostatische Beschwerden (lage- und lagewechselabhängiger Schwindel), Parästhesien und Dysästhesien (diverse Empfindungsstörungen (nichtradikulär), vor allem an Händen und Beinen), Restless-legs-Syndrom, Harnwegsbeschwerden, Wadenkrämpfe, Reizblase, Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhö), Schwitzen, roter Dermographismus (Rötung der Haut bei Reizung), Schwellungsempfindungen, Wassereinlagerungen, Morgensteifigkeit, Kopfschmerzen vom Spannungstyp, migräneartige Kopfschmerzen, Sehstörungen (Akkomodationsstörungen), Hörstörungen (Geräuschempfindlichkeit, Tinnitus), trockene Augen (Sicca-Syndrom), starke Wetterfühligkeit oder nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus). Gewöhnlich werden für die Diagnose einer Fibromyalgie mindestens drei vegetative Symptome bzw. funktionelle Störungen als Nebenkriterien gefordert.

Psychische und mentale Störungen

Es bestehen Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Depressionen, Hoffnungslosigkeit, Angststörungen, vermindertes geistiges Leistungsvermögen (Störungen des Denkens, der Konzentration und des Gedächtnisses), geringe psychische Belastbarkeit und Stressempfindlichkeit. Die Komorbidität mit psychischen Störungen ist hoch (60–80 %).

Psychosoziale Beeinträchtigungen

Soziale Folgen sind häufig Arbeitsunfähigkeit mit langen Krankenständen, vorzeitigem Austritt aus dem Arbeitsleben oder Langzeitarbeitslosigkeit mit sozioökonomischen Nachteilen und Statusproblemen in unserer Leistungsgesellschaft, außerdem familiäre und partnerschaftliche Belastungen sowie sozialer Rückzug.

Einschränkung des Aktivitätsniveaus

Die chronischen Schmerzen führen zu einem Vermeidungsverhalten bezüglich körperlicher Aktivität und früher aufbauenden Hobbys mit zunehmender Einengung auf die Schmerzsymptomatik, was erst recht deren Verstärkung bewirkt. Mangelnde Kondition begünstigt eine immer raschere Erschöpfung und verminderte Erholungsfähigkeit bei jeder körperlichen Anstrengung, weshalb ein dosiertes regelmäßiges körperliches Training sehr wichtig ist.

Erniedrigte Schmerzschwelle mit sekundärer Hyperalgesie

Zusammenfassend gesehen ist eine Fibromyalgie charakterisiert durch erhöhte Druckschmerzhaftigkeit an definierten Sehnenansätzen und Muskeln bei fehlenden Entzündungszeichen (erniedrigte Schmerzschwelle mit sekundärer Hyperalgesie), diffuse muskulo-skelettale Schmerzen, generalisierte myalgische Schmerzen, zahlreiche daraus resultierende psychische, psychovegetative und funktionelle Folgezustände sowie den Ausschluss vieler anderer Erkrankungen mit ähnlichem Erscheinungsbild (z.B. Rheuma, Dermatomyositis, Polymyositis, beginnende chronische Polyarthritis, beginnende seronegative Spondyloarthritis, Kollagenosen, Hypothyreose, myofasziales Schmerzsyndrom, chronisches Erschöpfungssyndrom).

Chronische, sich ausbreitende Schmerzen und Druckpunkte kommen auch bei zahlreichen anderen Schmerzpatienten vor. Jedes einzelne Symptom einer Fibromyalgie ist unspezifisch, erst das Vollbild eines Fibromyalgiesyndroms macht das charakteristische Beschwerdebild aus.

Differenzialdiagnostik

Die Differenzialdiagnostik gegenüber vielen anderen Krankheiten ist sehr wichtig. Vor allem ist die Unterscheidung zwischen dem Fibromyalgiesyndrom mit den typischen schmerzhaften Druckpunkten (Tender Points) und dem myofaszialen Schmerzsyndrom mit den charakteristischen Triggerpunkten (Trigger Points) von zentraler Bedeutung. Triggerpunkte sind Muskelverhärtungen, die an weiter entfernten Körperstellen Schmerzen auslösen.

Schmerzen am ganzen Körper

Viele Fibromyalgie-Patienten beschreiben Schmerzen am ganzen Körper; sie erleben aufgrund einer allgemein erniedrigten Druckschmerzschwelle den Druck an zahlreichen anderen Körperstellen als den Tender Points schmerzhafter als Gesunde. Daneben lassen sich oft auch noch Triggerpunkte ertasten. Während beim myofaszialen Schmerzsyndrom nur Triggerpunkte und keine Druckpunkte vorkommen, treten beim Fibromyalgiesyndrom oft beide Phänomene auf.

Die Schmerzen werden als andauernd, dumpf, quälend, scharf oder ausstrahlend erlebt. Sie sind muskelkaterartig, manchmal zusätzlich auch einschießend. Am Morgen bestehen Anlaufschmerzen, Steifigkeit, Zerschlagenheitsgefühl und es gibt vor allem einen gestörten Nachtschlaf. Die Schmerzen weisen oft über den Tagesverlauf und den Zeitraum der Erkrankung einen wechselnden Verlauf auf. Durch Ablenkung, Urlaub, Freizeitaktivitäten kann die Schmerzsymptomatik abnehmen oder vorübergehend sogar völlig verschwinden. Durch Kälte, Nässe, Wetterumschwünge, Schlafstörungen, Angst, Stress und körperliche Aktivität werden die Schmerzen ärger.

Ausweitung der Schmerzen

Die Schmerzen sind zu Beginn der Krankheitsentwicklung meist auf einzelne Körperteile begrenzt (anfangs meist lokalisiert in Nacken-, Schulter- oder Lumbalregion), danach kann öfter auch eine beschwerdefreie Zeit gegeben sein, im Laufe der Jahre erfolgt jedoch eine Ausweitung der Schmerzen auf den ganzen Körper (z.B. Rücken, Hinterkopf, Kiefer- und Gesichtsregion, Brust, Rippen, Becken, Arme, Beine, Füße und Hände). Eine Fibromyalgie führt trotz ihres chronischen Charakters niemals zu körperlichen Veränderungen der Gelenke oder anderer Organe.

Oft erst späte Diagnose

Wegen der langsamen Entwicklung der Symptomatik wird das Krankheitsbild durchschnittlich erst nach etwa sieben Jahren, d.h. mit Eintreten der Generalisierung der Schmerzen, richtig diagnostiziert. Aufgrund der zunehmenden Bekanntheit des Fibromyalgiesyndroms wird es gegenwärtig immer früher und häufiger diagnostiziert.

Die Fibromyalgie wird im ICD-10 nicht zu den somatoformen Störungen gezählt, sondern den Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes (M79.7) zugeordnet. Sie wird heute allgemein als chronisches Schmerzsyndrom verstanden.

Der Begriff der Fibromyalgie erfasst keine nosologische Entität, d.h. keine umschriebene Erkrankung, sondern soll nur eine einheitliche Krankheitsbezeichnung und damit eine allgemein verbindliche Forschungsgrundlage für einen seit Jahrzehnten bekannten Symptomenkomplex darstellen. Das heute oft „Fibromyalgiesyndrom“ genannte Beschwerdebild ist die gemeinsame Endstrecke von verschiedenen Krankheitsverläufen mit vermutlich völlig unterschiedlichen pathogenen Prozessen, für die es derzeit zumindest plausible Hypothesen auf der Basis der vorhandenen Forschungsbefunde gibt. Die bisherigen Erkenntnisse weisen auf mehrere Untergruppen der Fibromyalgie hin. Es wurden auch bereits verschiedene Fibromyalgie-Subgruppen vorgeschlagen, die jedoch noch keine allgemeine Verbindlichkeit erlangt haben.

Das Fibromyalgiesyndrom lässt sich weder einseitig organmedizinisch noch einseitig psychogen erklären. Man geht heute – wie bei vielen anderen Störungen – von einem biopsychosozialen Krankheitsverständnis aus:

Biologische Aspekte

Die röntgenologischen (bildgebenden), laborchemischen und klinisch-neuroorthopädischen Befunde sind eher unauffällig und unspezifisch, ohne größere Abweichungen von den Normwerten. Es bestehen zahlreiche Auffälligkeiten, die im Einzelnen jedoch nicht das gesamte Beschwerdebild erklären, jedoch die Sensibilisierung der Schmerzwahrnehmung und die Veränderungen der zentralen Schmerzverarbeitung belegen (chronische Schmerzen führen zur Sensibilisierung zentraler neuraler Strukturen): familiäre Häufung (genetische Komponenten), auffällige, jedoch nicht gravierende Fehlsteuerung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (Veränderungen der zirkadianen Rhythmik, unphysiologisch hoher nächtlicher Kortisolspiegel, im Laufe der Zeit geringere Kortisol-Ausschüttung, niedriges Schilddrüsenhormon T3, nächtlich verminderte Ausschüttung des Wachstumshormons mit erniedrigtem IGF-1-Spiegel), pathogene Schlafrhythmen, erhöhte Werte der Neurotransmitter-Substanz P im Liquor, erniedrigter Tryptophan- und Serotoninspiegel im Serum und Liquor, verstärkte Durchblutung schmerzverarbeitender Hirnareale, höhere Ausschläge evozierter Potenziale.

Psychologische Aspekte

Als Folge der neuroendokrinologischen Auffälligkeiten besteht eine verminderte Stresstoleranz, als Folge der Schmerzen entwickeln sich oft Depressionen, Ängste und Selbstwertprobleme, die die Schmerzen verstärken.

Soziale Aspekte

Psychosoziale Belastungen (berufliche, familiäre und partnerschaftliche Probleme, Arbeitslosigkeit, Krankenstand, Arbeitsunfähigkeit) sind häufige Auslöser, Verstärker und/oder Folgezustände der Fibromyalgie. Viele Betroffene haben in der Kindheit bzw. im späteren Leben traumatisierende Erfahrungen (meist körperliche und/oder sexuelle Gewalt), emotionale Vernachlässigung oder eine unsichere Eltern-Kind-Bindung erlebt.

Wegen der letztlich unbekannten Ursachen kann gegenwärtig nur eine symptomatische Therapie erfolgen, und zwar immer häufiger auf der Basis eines Breitbandkonzepts mit medizinischen, psychotherapeutischen und physiotherapeutischen Behandlungselementen. Die therapeutische Ansprechrate ist mit etwa 50 % bescheiden, viele Patienten bleiben therapieresistent und dauerhaft arbeitsunfähig und auch in anderen Bereichen zunehmend leistungsunfähig.

Das Fibromyalgie-Risiko wird neben dem Geschlecht (bevorzugt Frauen) und dem Alter (gehäuft ab dem 45. bis 50. Lebensjahr) durch folgende Faktoren erhöht:

  • Sexuelle und körperliche Gewalt in Kindheit und späterem Leben: frühkindlicher Missbrauch, Vergewaltigung, Schläge oder emotionale Vernachlässigung als Kind, Misshandlung als erwachsene Frau (traumatisierende Erlebnisse führen oft auch zu einer posttraumatischen Belastungsstörung, die wegen der vordergründig präsentierten Schmerzen oft nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht)
  • Verlusterfahrungen: Eltern, Partner, Heimat
  • Psychische Störungen: Depression, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, ausgeprägte Schlafstörungen, somatoforme Störungen und rasche vegetative Irritierbarkeit in psychosozialen Belastungssituationen
  • Körperliche Faktoren: chronische regionale Schmerzen, unabhängig von den Ursachen (Lumbalgie, HWS-Syndrom), Schleudertrauma, rheumatische Erkrankungen.
Relativ weite Verbreitung

Das Fibromyalgiesyndrom ist je nach Land und Untersuchungskriterien mit einer Häufigkeit von 1–4 % (durchschnittlich 2 %) in der Bevölkerung relativ weit verbreitet. Bis zu 6 % aller Hausarztpatienten sind betroffen, unter den Patienten von Orthopäden und Rheumatologen ist der Anteil mit bis zu 20 % noch höher. Eine Fibromyalgie wird in rheumatologischen Fachkliniken bei 10–20 % aller Patienten diagnostiziert.

Bei einer Untersuchung an Fibromyalgie-Patienten wurde bei 62,2 % eine behandlungsbedürftige psychische Störung gefunden, während dieser Prozentsatz bei Patienten mit rheumatoider Arthritis viel geringer war (28,6 %). Die häufigsten psychischen Störungen waren depressive Störungen und Angststörungen. Nach einer deutschen Studie erfüllten 37 % von 119 Fibromyalgie-Patienten gleichzeitig die Kriterien für eine somatoforme Störung. Die Zahl der Triggerpunkte korrelierte nicht mit der Anzahl der somatoformen Beschwerden.

Frauen über 35 als größte Krankheitsgruppe

Die Fibromyalgie tritt schwerpunktmäßig zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr auf, kommt aber auch bei Kindern und älteren Menschen vor. Die Erkrankung beginnt meist gegen Ende 30 (oder zwischen 26. und 35. Lebensjahr) und ist Mitte 40 voll entwickelt (Prodromalstadium bis zu sieben Jahren). 80–90 % der Betroffenen sind Frauen, meist im mittleren Lebensalter. Die größte Krankheitsgruppe sind demnach Frauen über 35 Jahre, vor allem zu Beginn der Menopause.

Bei Kindern, Jugendlichen und sehr alten Menschen ist das Krankheitsbild selten. Häufig haben die Betroffenen einen Verwandten ersten Grades mit derselben oder einer anderen chronischen Schmerzstörung.

Müdigkeit und Erschöpfung

Die Fibromyalgie wurde in den letzten 40 Jahren oft in enger Verknüpfung mit dem Chronic Fatigue Syndrome gesehen und dürfte eine Unter- oder Begleitform des chronischen Erschöpfungssyndroms sein. Rund 70 % der chronisch erschöpften Personen haben auch Schmerzen. Bei beiden Störungen wurden weitgehend dieselben Symptome beschrieben, wenngleich in den USA und in England jeweils recht unterschiedliche Akzentuierungen und Bezeichnungen gewählt wurden. Das chronische Erschöpfungssyndrom ist durch die Symptome Müdigkeit und Erschöpfung charakterisiert, während die Fibromyalgie vor allem durch die im Vordergrund stehenden chronischen Muskelschmerzen definiert wird.

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer