• Identität ist ein Gefühl von Kontinuität innerhalb des eigenen Selbst und in der Interaktion mit Anderen (Eric H. Erikson).
  • Im Gefühl der Identität spiegeln sich die Wahrnehmung der eigenen Individualität („des So-Seins“) sowie die Bindung an die Ideologien und die Kultur der eigenen ethnischen Gruppe (Erikson).
  • Zur Identität gehört ein Gefühl für den Sinn und Zweck des eigenen Lebens sowie das Gefühl, selbstbestimmt zu leben.
  • Identität ist ein fundamentales Organisationsprinzip, das es uns ermöglicht, unabhängig von anderen zu funktionieren. Dies geschieht aber auch in Beziehung zu anderen mit der Frage: „Wie unterscheide ich mich von anderen.“
Identitätskrise
Aufgabe der eigenen Identität
Definition der Identitätsdiffusion
Behandlung bei Identitätskrisen
Behandlung bei Identitätsdiffusion
Identitätskrise

Die Identitätskrise beschreibt das Problem der Fragilität oder der Zersplitterung des eigenen Selbstbildes (Ich-Identität). Sie beruht auf den Zweifeln der eigenen z. B. ethnischen, sozialen oder geschlechtlichen Identität, entstanden durch Unsicherheiten im eigenen Handeln und bei Entscheidungen bzw. durch Orientierungslosigkeit.

Es sind Unsicherheiten in Bezug darauf, ob der „richtige“ Weg gewählt wurde oder von Ängsten, nicht zu wissen, zu wem man sich in der Zukunft entwickelt oder auch welche Werte und Normen als die eigenen übernommen werden sollen. Die Identitätsdiffusion betrifft die meisten Jugendlichen und löst sich im Laufe einer normalen Entwicklung auf. Eine Nichtbewältigung von latenten Krisen kann jedoch in extremen Fällen zu ernsthaften Entwicklungsstörungen führen, die sich erst im frühen Erwachsenenalter bei der Ausübung von sozialen Verhältnissen (Intimität) aufzeigen.

Jugendliche, die mit den äußerlich aufgezwungenen gesellschaftlichen Anforderungen nicht zurechtkommen, treten eine Flucht an, in deren Folge sie Pflichten wie die Schule, Ausbildung oder sich selbst vernachlässigen (häufigstes Problem ist die Entscheidung zu einem bestimmten Berufsbild).

Aufgabe der eigenen Identität

Die Identitätsdiffusion kann bis hin zur völligen Aufgabe der eigenen Identität und einer Überidentifizierung mit Leitbildern und Idolen führen. Identitätskrisen sind nicht nur ein Adoleszenzproblem. Sie betreffen auch Erwachsene, die z. B. arbeitslos oder chronisch krank (oder beides) werden, dadurch ihre bisherigen Kommunikationspartner verlieren und dann neue überhaupt nicht oder nicht im erforderlichen Umfang gewinnen können. Eine Identitätsdiffusion findet sich häufig bei Menschen, die in ihrer Kindheit unklare Familienstrukturen erlebten.

Definition der Identitätsdiffusion

„Fehlen eines integrierten Konzepts des Selbst und der wichtigsten Bezugspersonen. Dies ist sichtbar in unreflektierten, chaotischen Beschreibungen des Patienten von sich und anderen und zeigt sich in einer Unfähigkeit, diese Widersprüche zu integrieren oder überhaupt wahrzunehmen.“

Zwischen einer (zeitweiligen) Identitätsstörung (bei Jugendlichen) und einer Identitätsdiffusion wird von Paulina Kernberg unterschieden. Ihr Konzept der Identitätsdiffusion entspricht Otto Kernbergs (1977) Konzeptualisierung der Identitätsdiffusion bei Erwachsenen.

Die Differenzierung*** zwischen Identitätskrisen, die im Rahmen der normalen Entwicklung von Jugendlichen als vorübergehende Phänomene auftreten, und einer Identitätsdiffusion, die als Grundlage einer Persönlichkeitsstörung angesehen werden kann, ist für die Wahl der Behandlungsmethode von erheblicher Bedeutung. Mit der Entwicklung der Adolescent Identity Treatment (AIT)***, einer auf Jugendliche abgestimmten Modifikation der übertragungsfokussierten Psychotherapie (Otto Kernberg), steht ein Verfahren zur Behandlung einer Identitätsdiffusion bei Jugendlichen zur Verfügung. Den Adoleszenten soll dabei geholfen werden, ihre Beziehungen zu Freunden, Eltern oder Lehrern zu verbessern, sich über ihre Ziele im Leben klar zu werden und ein positives Selbstwertgefühl sowie eine stabile Identität zu entwickeln.

Behandlung bei Identitätskrisen

Behandlungen von Identitätskrisen beinhalten eine fokussierte Psychotherapie, in der vor allem auf die Krise eingegangen wird. Hier erfolgt unser systemisches Behandlungsmodell, das wir auf Basis einer beziehungsorientierten / übertragungsgeprägten Therapie durchführen. Dabei stehen an

  1. ein empathisches Gespräch bzw. Wertschätzung
  2. eine Strukturierung intra- oder extrapsychischer Konflikte einschließlich der Erarbeitung neuer Sichtweisen und
  3. die Entwicklung einer Strategie bzw. lösungsorientierten Kommunikation in sozialen Konfliktfeldern.
Behandlung bei Identitätsdiffusion
  • Adolescent Identity Treatment (AIT) ***: Die übertragungsfokussierte modifizierte Psychotherapie (Otto Kernberg) geht davon aus, dass die zentrale Problematik bei Persönlichkeitsstörungen die Störung der Identität und der zwischenmenschlichen Beziehungen (Intimität und Empathie) sind. Deshalb liegt der Fokus auf der Verbesserung der Identitätsproblematik sowie auf der Integration von sich selbst und wichtigen Anderen.

*** Foelsch, Pamela A. / Odom, Anna/ Arena, Helen / Krischer, Maya K. / Schmeck, Klaus / Schlüter-Müller, Susanne (2010)

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer