Interaktive Medizin

Das Nervensystem

Das Nervensystem ist der Mittelpunkt des Menschen, das über alle Bereiche des Körpers und seiner Gesundheit in grundlegender Weise mitentscheidet [1].

Es spielt eine zentrale Rolle

  • beim seelischen Befinden (Neuropsychologie),
  • bei allen körperlichen Abläufen (Neurosomatik)
  • oder im erweiterten Sinne im ökologischen Umfeld, das nach F. Capra [2] wie unser selbstorganisatorisch tätiges Nervensystem geordnet ist.

Besonders die Neurobiologie, Soziologie und Philosophie haben in den letzten Jahrzehnten die neuronal und ökologisch verknüpften Netzwerke intensiv erörtert und neue Fragen aufgeworfen. Durch die psychologische Synergetik [3], durch das Prinzip der Selbstorganisation [4] und der Kybernetik [5] [6] haben wir Antworten erhalten, die für die psychosozialen und somatischen Behandlungen von großer Bedeutung sind.

Die Interaktive Medizin

Die Biopsychosoziale Medizin beschäftigt sich seit einiger Zeit intensiv mit selbstregulativen (selbstheilenden) Möglichkeiten des Menschen.

Medizin bedeutet für sie nicht mehr – wie üblich – Behandlung einer Krankheit oder Störung, sondern auch Aktivierung der sich selbstregulierenden Wechselbeziehung von zentralem Nervensystem, Körper, biologischem und sozialem Umfeld (Interaktive Medizin).

Dafür verantwortlich ist ein kybernetisches Zusammenspiel von fünf Dimensionen, der „Penta-Medizin“ [7]. Das Prinzip dieser wurde 2000 von E. W. Burrer in der Pentaklinik und später Sigma-Klinik eingeführt. Es ist seither in der Sigma-Akademie ein Ziel, SeminarteilnehmerInnen Erkenntnisse der Penta-Medizin zugänglich zu machen.

Die Steuerung

Bei der interaktiven Medizin bedarf es eines Vorgehens, das Systemen erkrankter Menschen in physikalischer, biologischer, sozialer, geistiger und emotionaler Hinsicht gerecht wird. Hier hilft eine ökologisch-kybernetische Sichtweise, wie sie von Helm Stierlin und Michael Wirsching [8] beschrieben wurde. Sie ermöglicht, in klassische Therapien steuernd einzugreifen, indem durch regelkreisbezogenes Ordnen und Steuern der Behandlungen der Therapieprozess nachhaltig unterstützt wird.

Kybernetisches Handeln ist dabei nicht nur Behandlung, sondern auch die Bereitschaft von PatientIn und TherapeutIn, sich als PartnerIn zu erleben, auch wenn der eine eine Erkrankung hat und der andere als PsychotherapeutIn oder als ÄrztIn oder Arzt ihm zur Seite steht. So gelingt es, in erprobten und evaluierten Therapien (z.B. tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, internistisch medikamentöse Behandlung, Entspannungstherapie, Prävention) steuernd einzugreifen.

[1] Burrer, E.W, 2012: Kybernetik in der Medizin
[2] Capra F., 2002: Verborgene Zusammenhänge. Vernetzt denken und Handeln in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Scherz-Verlag, Bern
[3]Haken, H. ,Schiepek G. (2005): Synergetik in der Psychologie
[4] siehe auch Max-Planck-Institut für Dynamik u. Selbstorganisation Göttingen. Das Institut wurde 1925 als Kaiser-Wilhelm-Institut für Strömungsforschung gegründet und gehört zu den ältesten und traditionsreichsten der Max-Planck-Gesellschaft.
[5] Förster von, H.  KybernEthik. Merve Verlag, Berlin 1993, ISBN 3883961116.
[6] Förster von, H.;  Pörksen B., 1998: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners…
[7] Die Penta-Medizin wurde von E. W. Burrer 1999 als Direktor an den Oberrheinischen Kliniken  (Median Kliniken heute) entwickelt.
[8] Wirsching, M.; Stierlin H., 1982: Krankheit und Familie. Konzepte, Forschungsergebnisse, Therapie

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer