Fast jeder Mensch kennt das Gefühl von Kopfschmerzen. Allgemein lassen sie sich in 14 Hauptgruppen mit mehr als 220 untergeordneten Kategorien unterteilen. Neben für manche Grunderkrankungen typischen Erscheinungsformen können sie auch spontan isoliert und sehr variabel in ihrer Schmerzintensität auftreten.

Kopfschmerzen sind Schmerzsymptome, deren Charakteristik äußerst vielfältig sein kann. Betroffene leiden dabei unter dumpf und diffus, oder stechend-hell bis hin zu pochend-klopfenden Schmerzen im Bereich des Kopfes.

Cephalea, Cluster-Kopfschmerz, Histaminkopfschmerz, Bing-Horton-Neuralgie, Migräne

Primären spontan in Erscheinung tretenden Kopfschmerzen kann ein eigener Krankheitswert zugeschrieben werden. Sogenannte sekundäre Kopfschmerzen sind Symptom einer ursächlichen Erkrankung. Kopfschmerzen sind kein wirkliches Schmerzsymptom des Gehirns an sich, da dieses Organ als relativ schmerzunempfindlich gilt. Sie entstehen vielmehr durch Reizung der Hirnhäute, die unser Gehirn als feine Strukturen umziehen. Diese sind äußerst dicht von Nervenfasern durchzogen und reagieren bei Entzündung sowie mechanischen Belastungen wie Dehnung, Zug oder Druckeinwirkung mit Schmerzreizen.

In der vielfältigen Charakteristik der Schmerzen und deren Intensitäten stellt der Spannungskopfschmerz oder sogenannte „Wochenendkopfschmerz“ die weitaus häufigste Variante dar und ist zudem oftmals assoziiert mit Übermüdung, Überlastung und Stresszuständen. Typisch für ihn ist ein drückend-einengendes Gefühl im gesamten Kopfbereich ohne Pulsationsempfindungen oder schwankende Schmerzintensität.

Weitere Formen sind der „Schmerzmittelkopfschmerz“ und der „psychogene Kopfschmerz“.

Eine ebenfalls häufig vorkommende Art ist der frontale Stirnkopfschmerz, oft im Rahmen von entzündlichen Infektionen der Stirnhöhle bei Schnupfen oder Erkältung, die sich durch Verlagerung des Kopfes nach vorn deutlich intensivieren.

Der anfallsartige, sehr starke Migränekopfschmerz, sowie der episodisch und vornehmlich aus dem Schlaf heraus auftretende Cluster-Kopfschmerz im Bereich von Schläfen und Augen sind ebenfalls gehäuft beobachtete Formen von Kopfschmerzen.

Davon abzugrenzen ist der Kopfschmerz bei einer Subarachnoidalblutung (SAB, SAH) bei einem Hirnarterienaneurysma. Es handelt sich um ein lebensbedrohliches Ereignis, einhergehend mit plötzlich einsetzenden Vernichtungskopfschmerz, oft (bis zu 50%) initialer Bewusstlosigkeit und Nackensteifigkeit.

Man unterscheidet zwei Arten von Kopfschmerzen: primäre und sekundäre Kopfschmerzen. Sekundäre Kopfschmerzen haben nachweisbare organische Ursachen und kommen nur bei höchstens 5 % der Kopfschmerz-Patienten vor. Sekundäre Kopfschmerzen sind auch Kopfschmerzen in Zusammenhang mit psychiatrischen Störungen.

Primäre Kopfschmerzen sind ein eigenständiges Krankheitsbild und nicht Folge einer anderen Störung. Es handelt sich um reversible Störungen der schmerzempfindlichen Strukturen innerhalb oder außerhalb des Schädels. Man unterscheidet Spannungskopfschmerzen, Migräne mit und ohne Aura, Clusterkopfschmerzen (zeitliche Anhäufung von Anfallsserien mit bohrend-brennenden Kopfschmerzen im Frühjahr oder Herbst sowie zu bestimmten Tageszeiten). Spannungskopfschmerzen sind doppelt so häufig wie Migräne. Die meisten chronischen Kopfschmerz-Patienten haben Mischbilder. Spannungskopfschmerzen und Migräne machen 90 % der Kopfschmerzen aus.

Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind ist eine Sammelbezeichnung für Kopfschmerzen, die früher als Spannungskopfschmerz, Muskelkontraktionskopfschmerz, vasomotorischer, stressabhängiger oder psychogener Kopfschmerz diagnostiziert wurden. Es handelt sich dabei um die häufigsten Kopfschmerzen, die bei 15–20 % der Bevölkerung vorkommen, bei Frauen etwas häufiger als bei Männern. Spannungskopfschmerzen treten – im Gegensatz zu Migräne – gewöhnlich auf beiden Seiten von Kopf und Nacken auf. Viele Betroffene leiden darunter ebenso stark wie Migräne-Patienten.

„Spannungskopfschmerzen“ – die alte Bezeichnung ist immer noch gebräuchlich – wurden früher mit einer Anspannung der Stirn- und Nackenmuskulatur erklärt. Die Beziehung zwischen Kopfschmerzen und Muskelverkrampfungen ist keineswegs so eng, wie bislang immer angenommen wurde. Die muskulären Verspannungen können auch umgekehrt die Folge der Spannungskopfschmerzen sein.

Man unterscheidet zwischen Spannungskopfschmerzen mit und ohne Beteiligung der Schädelmuskulatur, da nicht alle Spannungskopfschmerzen durch Verspannungen der Schädelmuskulatur ausgelöst werden. Die Beschwerden können auch mit Veränderungen der Schmerzempfindlichkeit durch Botenstoffe des Gehirns (Serotonin) zusammenhängen. Eine erhöhte Muskelspannung ist demnach zur Diagnosestellung von Spannungskopfschmerzen nicht mehr erforderlich, wenngleich bei der Mehrheit der Betroffenen eine muskuläre Verspannung vorhanden ist. Im Gegensatz zu früheren Annahmen weisen Kopfschmerz-Patienten grundsätzlich eine erniedrigte Schmerzschwelle und Schmerztoleranz auf, sowohl während der Kopfschmerzen als auch im schmerzfreien Intervall.

In Abhängigkeit von der Häufigkeit gibt es eine episodische und eine chronische Verlaufsform, die sich in den Ursachen und in der Behandlung unterscheiden.

Episodische Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind charakterisiert durch wenigstens 10 typische Kopfschmerzepisoden, die nicht häufiger als 180 Tage pro Jahr bzw. weniger als 15 Tage pro Monat auftreten und pro Episode zwischen 30 Minuten und 7 Tagen andauern. Die Schmerzen weisen mindestens zwei von vier typischen Merkmalen auf: drückende bis ziehende, nicht pulsierende Schmerzqualität; leichte bis mäßige Schmerzintensität, sodass die übliche körperliche Aktivität allenfalls behindert, aber nicht unmöglich ist; beidseitige Lokalisation; keine Verstärkung durch körperliche Tätigkeiten wie Treppensteigen u.ä. Es fehlen Übelkeit, Erbrechen, Scheu vor Licht oder Geräuschen (in einem der beiden Bereiche kann aber eine Scheu vorhanden sein).

Chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp treten wenigstens 15 Tage pro Monat bzw. 180 Tage pro Jahr über wenigstens 6 Monate hinweg auf. Es sind mindestens zwei der folgenden vier Merkmale vorhanden: drückender oder ziehender Schmerz; leichte bis mäßige Intensität, was die täglichen Aktivitäten beeinträchtigen kann, aber nicht völlig unmöglich macht; beidseitige Lokalisation; keine Verstärkung durch Treppensteigen oder sonstige vergleichbare körperliche Aktivitäten. Es besteht kein Erbrechen, es kann aber eines der drei Symptome Übelkeit, Scheu vor Licht oder Scheu vor Erbrechen vorhanden sein.

Episodische und chronische Spannungskopfschmerzen können mit oder ohne erhöhte Schmerzempfindlichkeit in der den Schädel umgebenden Muskulatur auftreten. Die Unterteilung des Kopfschmerzes vom Spannungstyp in Subtypen mit und ohne einen muskulären Faktor soll aufgrund der geringen wissenschaftlichen Unterlagen die Forschung auf diesem Gebiet anregen.

Bei Patienten mit Spannungskopfschmerzen gibt es im Gegensatz zu früheren Behauptungen keine typischen Persönlichkeitsmerkmale. Die genauen Ursachen der Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind zwar nicht bekannt, abnorme unwillkürliche Muskelverspannungen und rein psychogene Faktoren spielen neben biologischen Faktoren und möglicherweise auch genetischen Faktoren jedoch durchaus eine große Rolle. Von besonderer Bedeutung sind Auslösefaktoren wie psychosozialer Stress, zwischenmenschliche Probleme und Konflikte, hoher Arbeitsdruck und großer Leistungsstress in den Industrienationen, Angststörungen, depressive Erkrankungen und Schlafstörungen.

Die eigenständige Rolle der Halswirbelsäule im Sinne eines zervikogenen Kopfschmerzes ist von der Datenlage her noch immer nicht erwiesen.

Neuere Daten weisen darauf hin, dass Patienten mit Spannungskopfschmerzen aufgrund neurobiologischer Vorgänge eine erniedrigte Schmerzschwelle aufweisen.

Kopfschmerzen sind die häufigsten Befindlichkeitsstörungen des Menschen. Mindestens 70–80 % der Bevölkerung werden einmal oder öfter im Jahr von Kopfschmerzen geplagt. Nach der bislang umfangreichsten Studie leiden 71,4 % der deutschen Bevölkerung zumindest zeitweise an Kopfschmerzen: 27,5 % leiden an Migräne, 38,3 % an Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Migräne kommt bei Frauen (32 %) häufiger vor als bei Männern (22%). Aktuell leiden etwa 15–20 % der Bevölkerung unter Spannungskopfschmerzen. Nur 20 % der Kopfschmerzpatienten – vor allem die stärker betroffenen Personen – gehen zum Arzt.

Bei episodischen und chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp besteht kaum ein Unterschied zwischen Frauen und Männern. Unter den Migräne-Patienten leiden 10 % an Migräne mit neurologischen Vorzeichen, nämlich der typischen Aura, über 70 % an Migräne ohne typische Aura und rund 10 % an komplizierten Migräneformen und Cluster-Kopfschmerzen. Wenn eine Migräne bereits im Kindesalter aufgetreten ist, zeigt sich diese bei 60 % der Betroffenen auch im Erwachsenenalter.

Mit fortschreitendem Alter werden migräneartige Kopfschmerzen seltener und chronische Kopfschmerzen vom Spannungstyp häufiger. Episodische Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind altersunabhängig. Auffällig ist der in den letzten Jahrzehnten erfolgte Anstieg der Migräne im Kindesalter.

Wenn gleichzeitig auch psychiatrische Störungen vorhanden sind, bleiben die Kopfschmerzen bestehen oder treten sogar verstärkt auf. Begleitende Angststörungen und Depressionen bewirken mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Chronifizierung der Kopfschmerzen von der Jugend bis zum Erwachsenenalter.

Im Folgenden finden Sie eine Auflistung potenzieller Ursachen für die Entwicklung von Kopfschmerzen:
Muskuläre Verspannungen, häufig im Hals- und Schulterbereich, Migränekopfschmerz durch Veranlagung oder individuell ausgelöst, Bluthochdruck (Hypertonie), Systemische Infekte, wie Erkältungskrankheiten oder Grippe, Alkoholkonsum, Flüssigkeitsmangel, Sonnenstich und Hitzschlag, Schlafmangel, Medikamenten-Nebenwirkung, beispielsweise Nitrospray oder durch die übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln („Schmerzmittelkopfschmerz“), Augenerkrankungen (akuter Glaukom-Anfall, erhöhter Augeninnendruck), Nicht behandelte Sehschwäche, Orthopädische Erkrankungen, insbesondere der Halswirbelsäule, Blutarmut (Anämie), Stoffwechselstörungen (Diabetes Mellitus), Kopfverletzungen, Gehirnerschütterung (Commotio cerebri), Schädel-Hirn-Traumata durch Sturz oder Krafteinwirkung, Entzündung der Hirnhäute (Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis), Durchblutungsstörungen der das Gehirn und die Hirnhäute, sowie den Kopf versorgenden Arterien, oder Schlaganfall (Apoplex), Arteritis temporalis, Hirnblutungen, Hirntumoren (selten), Psychische Ursachen (psychogener Kopfschmerz) bei Stress und Überlastung.

  • Seit wann leiden Sie unter Kopfschmerzen?
  • Treten die Symptome gehäuft auf und lässt sich ihnen eine bestimmte zeitliche Charakteristik zuordnen?
  • Sind sie auf einen bestimmten Kopfbereich begrenzt?
  • Wie lange dauern im akuten Zustand die Symptome an?
  • Können Sie die Art der Schmerzen näher beschreiben?
  • Wie stark empfinden Sie den Schmerz?
  • Leiden Sie unter weiteren Symptomen (Erbrechen, Seh- oder Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen, Schwindel, Nackensteifigkeit)?
  • Sind Sie häufig gestresst?
  • Schlafen Sie ausreichend und fühlen Sie sich nach der Nacht erholt?
  • Rauchen Sie?
  • Wie häufig konsumieren Sie alkoholische Getränke?
  • Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr?
  • Bestehen aktuelle Vorerkrankungen (Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, neurologische Erkrankungen) und werden diese therapiert?
  • Nehmen Sie derzeit Medikamente ein?
  • Sollten Sie unter chronischen Schmerzen leiden, empfiehlt es sich, ein Schmerztagebuch anzulegen, in dem Sie Ihre Symptome genau dokumentieren können. Dies unterstützt den Arzt bei der Ursachenfindung.

Ausgehend von Ihrer in der vorangegangenen Anamnese erhobenen Symptomcharakteristik und Ihrem aktuellen Befinden kann der Arzt unter Umständen nun folgende Diagnostik anwenden: Blutentnahme, Urinuntersuchung, Elektrische Messung der Hirnströme (Elektroenzephalogramm, EEG), Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT), Ultraschalluntersuchung (Sonographie) beispielsweise der Nasenneben-, Stirnhöhlen, Röntgenologische Darstellung der Blutgefäße (Angiografie), Positronen-Emissions-Tomographie (PET), Hirnwasserentnahme (Liquor cerebrospinalis) durch Punktion.

Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer

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