Psychosomatische Erkrankungen, Psychosomatosen

Somatische Erkrankungen der Inneren Medizin und Neurologie (z.B. Herz-Kreislauf-Störungen, Neuralgien oder Essstörungen) haben seelische Auslöser.

Das Erklärungsmodell von Sigmund Freud geht davon aus, dass sich unbewusste Konflikte dem Bewusstsein durch Verdrängung entziehen und sich dann körperlich darstellen. Dadurch wird das körperliche Symptom zum Symbol für den psychischen Konflikt. Dieses Konversion (psychisch wird zu physisch) betrifft oft die Sinnesorgane (Blindheit, Ohrgeräusche, Schwindel) oder die Motorik (Lähmungen, Muskelkrämpfe). Max Schur, auch ein Psychoanalytiker und der Arzt Freuds, war der Meinung, dass der Mensch im Laufe seines Lebens lernt, auf eine Belastung nicht mehr körperlich zu reagieren, sondern sein Denken und seine Phantasie, also seine Ich-Funktionen, ausgebildet werden. Unter zu starker Belastung würde er dann wieder in das frühkindliche Verhaltensmuster zurückfallen und körperlich, also mit einer psychosomatischen Erkrankung, reagieren.

Am weitesten greifen die heute verwandten biopsychosozialen Erklärungsmodelle für die Entstehung einer psychosomatischen Krankheit, z. B. von Thore von Uexküll. Sie umfassen biologisch-körperliche, emotionale und intellektuelle Komponenten des Einzelnen und seine soziale Situation und seine Lebensgeschichte und sehen in dem Zusammenspiel eine Begründung für die Krankheitsentstehung. Bei Psychosomatosen handelt es sich um Organerkrankungen, die durch psychische Konflikte ausgelöst werden.

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer