1. Definition und Information

Das Privatinum vertritt eine psychosoziale und interdisziplinäre Medizin in der

  • Klinik für Psychotherapie – Psychiatrie – Psychosomatik und dem
  • Institut für Psychosoziale Medizin und Prävention.

Beide Institutionen arbeiten nach kybernetischen Prinzipien. Sie beinhalten, dass somatische und psychosoziale Abläufe eines Menschen nicht unterbrochen werden wie bei einer Isolation oder medikamentösen Intervention, sondern im Sinne der Selbststeuerung kanalisiert werden.

Die Theorie basiert auf Erkenntnissen der Neurowissenschaften (1) und Kybernetik (7), die sehr viele Berührungspunkte haben, da das Zentrale Nervensystem, bzw. die Psyche eines Menschen nach kybernetischen Gesichtspunkten aufgebaut ist.

Auch der Körper, die ökologischen und damit sozialen Systeme arbeiten nach dem Prinzip der Kybernetik und damit der Selbstorganisation.
Störungen treten medizinisch zum Teil auf, wenn der Mensch eingreift und die Rhythmen wie Schlaf, Hunger oder Durst durcheinander bringt. Dies ist möglich durch Eingriffe wie Informationsüberflutung, Bluthochdruck, Stress, Koffein, Alkohol oder Schlafstörungen (16).
Probleme treten z. B. auch ökologisch auf, wenn die Umwelt geschädigt wird , wodurch sich klimatische Katastrophen ergeben können (1).

Staaten, Unternehmen und andere soziale System arbeiten nach dem Prinzip der Selbstorganisation und damit der Kybernetik (7). Sie werden in erster Linie von den Notwendigkeiten der Gesellschaft gesteuert. Sie werden sinnbildlich gesprochen krank (3), wenn sie diese falsch interpretieren oder Führung nur noch dem Selbstzweck einzelner dient (10, 11, 12).
Ärzte und Hirnforscher konnten diese Erkenntnisse der sehr erfolgreich in Einrichtungen umsetzen. Entsprechend setzt Prof. Burrer dieses Modell seit 20 Jahren mit Neurologen und Psychologen zusammen um (8) (10).

Nicht zufällig ist das Privatinum in einer ökologisch gesunden Umgebung wie dem Erholungsgebiet Schwarzwald angesiedelt (1). Umwelt und intakte therapeutische Gemeinschaft sind eben zwei Seiten derselben Medaille.

Der Muttergesellschaft des Privatinum*, die Gesellschaft für Interdisziplinäre Psychologie (GIP) vertritt zwei Bereiche:

* In ihr ist Dr. Achim Burrer Gesellschafter, Oberarzt an der Psych. Universitätsklinik Zürich

 

Zum Bereich Psychosoziale Medizin gehören:

  1. das Privatinum, Akut- und Tagesklinik für Psychotherapeutische Medizin
  2. das Institut Privatinum für Familienmedizin
  3. das Penta-Institut für Psychosoziale Medizin und Prävention

2. Die Interdisziplinarität

Unter Interdisziplinarität in der Psychologie wird wie in der Psychosozialen Medizin die Nutzung der Ansätze, Denkweisen und Methoden verschiedener Fachrichtungen verstanden.

Die Interdisziplinarität der Psychologie hat ihren Ursprung in der Geschichte. In dieser gab es im Laufe der Zeit immer mehr Wissenschaftsfächer und immer mehr Spezialisten.

Die Philosophie in ihrer reinsten Form war zur Zeit von Sokrates zum Beispiel die Grundlage seelischer Forschung.

  • Aus der Philosophie entwickelte sich
  • die Psychologie, aus dieser
  • die somatisch begründete Psychologie = Psychiatrie,
  • die psychisch begründete somatische Medizin = Psychosomatische Medizin,
  • die „sprechende“ Medizin = Psychotherapie und schließlich
  • die alle Bereiche integrierende und interdisziplinäre Psychosoziale Medizin (Medizin – Psychologie – Soziologie)

Der Begriff Interdisziplinäre Psychologie wird in unserer Darstellung deshalb synonym für die aus ihr hervorgegangen Psychosozialen Medizin genannt.

Bei dem gegenwärtigen Stand wissenschaftlicher Entwicklung ist die Vernetzung der Teilaspekte eines Menschen sehr umfangreich. Eine interdisziplinäre oder fächerübergreifende Arbeitsweise umfasst dabei mehrere voneinander unabhängige Bereiche, die einer wissenschaftlichen Fragestellung mit ihren jeweiligen Methoden nachgehen. Es spielt hierbei eine untergeordnete Rolle, ob diese Fachgebiete selbst interdisziplinäre Ansätze verfolgen oder ob sich diese Ansätze erst durch eine Kombination dieser Fachgebiete ergeben.

Wichtig in Abgrenzung zur Multidisziplinarität ist, dass Methoden zwischen den Disziplinen vermittelt werden und sich damit Lösungsstrategien nicht nur durch einen Austausch von Behandlungen und Denkweisen ergeben.

Interdisziplinarität ist in der Psychosozialen Medizin das Zusammenführen verschiedener Teilaspekte, ein reines Nebeneinander dieser reicht hierfür nicht mehr aus. Ein Teil neuer wissenschaftlicher Fachrichtungen wie z.B. die Biochemie sind aus einer beständigen interdisziplinären Zusammenarbeit entstanden. Häufig wird auch eine persönliche Interdisziplinarität praktiziert, wobei er im interdisziplinären Fach der Psychiatrie Bereiche unterschiedlicher Disziplinen in sich vereinen kann:

Psychopathologie • Psychologie • Psychosomatik • Allgemeinmedizin • Innere Medizin • [Psycho-] Pharmakologie • Psychotherapie • Sozialmedizin • Neuropsychologie • Neurologie • Neuroendokrinologie.

Wesentlich für die fächerübergreifende Zusammenarbeit ist, dass über die Disziplingrenzen hinweg ein Verständigungsprozess stattfindet, d.h. eine gemeinsame Sprache gefunden wird, aber auch Kriterien, beispielsweise zur Bewertung der Qualität medizinischer Leistung, erstellt werden.

Diesen »kybernetischen« Verständigungsprozess suchen alle Mitarbeiter des Privatinum mit Praxen, Kliniken und Institutionen.

3. Fachbereiche in der Psychosozialen Medizin

Antworten auf gesundheitliche Probleme eines Menschen können wie beschrieben nicht mehr aus einem einzelnen Fach heraus gegeben werden. Es ist vielmehr eine Zusammenarbeit zwischen den großen Disziplinen der Medizin und Unterdisziplinen wie der Neuropsychologie, der Hormonmedizin, der Kommunikationspsychologie u.a.

Hier die Arbeitsbereiche der interdisziplinären Psychologie »IP«  und der Psychosozialen Medizin ohne alle Unterdisziplinen:

  • Allgemeinmedizin, Pharmakologie
  • Innere Medizin, Psychosomatik
  • Psychotherapie, Psychologie
  • Neurologie, Neuroendokrinologie
  • Psychiatrie, Neuropsychologie
  • Sozialmedizin, Familienmedizin

4. Krankheitsbilder in der Psychosozialen Medizin

  • Belastungsstörungen, Adoleszentenkrisen, Lebenskrisen
  • Anpassungsstörungen, Sexualstörungen
  • Neurosen, Zwänge
  • Psychogene Störungen, Angstneurosen, Phobien, Herzneurosen
  • Somatoforme Störungen und – Schmerzstörungen, Dissoziative Störungen, Konversionsneurosen, Larvierte Depression
  • Depressionen, Affektive Störungen und Psychosen psychischer oder somatischer Genese
  • Psychogen-depressive Erkrankungen (sog. „Burnout-Syndrome“ bei Menschen, die dem Druck des Umfeldes nicht mehr standhalten, sich ausgebrannt fühlen oder keinen Sinn in ihrem Leben sehen)
  • Persönlichkeitsbedingte Krisen, Identitätskrisen, Suizidalität
  • Impulskontrollstörungen, AD(H)S im Jugendlichen- und Erwachsenenalter, Borderline-Syndrom
  • Dependenzerkrankungen (nicht stoffgebunden Sucht wie Kaufsucht, Internetsucht, Spielsucht)
  • Psychosomatische Erkrankungen der Inneren – und Ernährungsmedizin (Essstörungen wie Adipositas oder Anorexie z. B.)
  • Funktionelle Störungen (körperliche Beschwerden ohne Organbefund)
  • Körperliche Erkrankungen mit psychosozialen Wechselwirkungen (z.B. chronisch entzündliche Darmerkrankungen, arterieller Hypertonus, Asthma bronchiale)
  • Verarbeitungsprobleme bei schwerwiegenden Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Krebs, Herzinfarkt)
  • Soziogene und Soziosomatische Erkrankungen (Stress, Mobbing, Informationsüberflutung, Hyperakusis, Tinnitus z.B.)
  • Traumata durch schwere Schicksalsschläge oder Krankheiten, Posttraumatische Störungen
  • Tinnitus, Schlafstörungen (Insomnien)
  • Neurogene Störungen und Erkrankungen wie Parkinsonsyndrom, Neuritiden, Paralysen
  • Neurogene Schmerzstörungen, z.B. Neuralgien wie Ischialgie, Myalgien
  • Neuromedizinische Störungen z.B. Neuroendokrinologische Störungen der Sexualmedizin, und der Immunologie
  • Cerebrale Prozesse durch Suchtmittel (stoffgebundene Sucht z. B. durch Alkohol oder Medikamente)

5. Behandlungen in der Psychosozialen Medizin

Die Klinik Privatinum vertritt eine psychosoziale Medizin. Sie beinhaltet fünf  Dimensionen:

  1. die biologische Dimension mit den körperlichen Funktionen,
  2. die physikalische Dimension mit Luft, Erde, Wasser, Wärme, Licht
  3. die emotionale Dimension,
  4. die mentale (geistige) Dimension,
  5. die soziale (kommunikative) Dimension

  • Ziel unserer psychosozialen Arbeit ist, psychische, somatische und soziale Aspekte in die Akutmedizin z. B. die Psychiatrie zu integrieren.
  • Neben diesem Ziel erfolgt eine ständige ärztliche Aktivierung der Selbststeuerung psychischer, somatischer und sozialer Prozesse. Selbststeuerung ist u.a. durch eine umwelt-, familien- und sozial ausgerichteter Akutmedizin möglich.
  • Zuletzt erfolgt eine Nachsorge und Prävention durch das Penta-Institut, bzw. Vorsorge im vorstationären Bereich bei Kriseninterventionen z. B.

6. Methoden der Interdisziplinären Medizin

Ab wann von interdisziplinärer Behandlung gesprochen wird, entscheidet sich bei einer Betrachtung psychosozialer, somatopsychischer* und psychosoma-tischer Zusammenhänge bzw. von Therapieansätzen, die in die Selbststeuerung des erkrankten Menschen mit psychotherapeutischen, sozialen und  medizinischen Behandlungsverfahren eingreifen können.

*körperliche Erkrankungen mit psychischen Auswirkungen, z. B. Depressionen bei einem Karzinom oder nach einem Herzinfarkt

 Das Privatinum spricht von interdisziplinärer Therapie bei Psychotherapie und Medizin, da diese Fachrichtungen verwandte Bereiche aufweisen, die durch Regelkreise verknüpft sind. In sie kann man wie oben erwähnt steuernd eingreifen.

Interdisziplinär arbeitet  auf diese Weise der Psychotherapeut mit dem Neurologen zusammen, wenn es um eine Neuralgie geht. Der Neurologe kooperiert mit dem Psychiater, um auffallende Hirnaktivitäten zu diagnostizieren. Der Psychiater arbeitet mit dem Internisten zusammen, daneben entwickelt er noch eigene Methoden, wenn sich die Methoden aus den anderen beiden Fachbereichen für die Lösung bestimmter Probleme als unzureichend erweisen. Der Sozialmediziner unterstützt das Verständnis der Ärzte und PatientInnen für die sozialen Auslöser der Erkrankung.

Exemplarisch gelingt dies

  • durch eine internistische Behandlung bei seelisch ausgelöstem Asthma oder Bluthochdruck,
  • durch eine psychopharmakologische Behandlung bei einer internistischen Erkrankung wie Angina pectoris,
  • durch emotionale Impulse in einer systemischen Familientherapie.
  • In tiefenpsychologischer (assoziativer) Hinsicht gelingt dies durch Aktivierung von Einfällen oder Erinnerungen, die emotional eine kathartische Wirkung (Aha-Effekt) haben und einen Erkenntnisprozess nach sich ziehen.
  • In verhaltenstherapeutischer Hinsicht gelingt dies durch Exposition, die Gefühle ermöglicht, wie wir sie in psychodynamischen Therapien (Psychoanalyse z.B.) durch Übertragung kennen.

7. Ziele einer Psychosozialen Medizin

Diagnostische Ziele

Unsere diagnostischen und gutachterlichen Ziele sehen wir in der

  • Erfassung der Vernetzung interdisziplinärer Aspekte in einem psycho-sozio-somatischen Prozeß, der sich auf Grund natürlicher Abläufe im menschlichen Körper und der Umwelt ständig ändert (selbstregulativer Anpassungsprozess), der
  • Beachtung der 5 Dimensionen wie dargelegt (Behandlungsphilosophie).

Therapeutische Ziele

  • Die Integration psychosozialer Aspekte in der Akutmedizin (19)
  • Die Integration von Information und Beratung zur Beschleunigung der Behandlung
  • Die Integration von Prävention in der stationären Nachsorge

Da die Wirklichkeit, die die psychosoziale Arbeit in der Medizin reflektiert, vielschichtig und komplex ist, findet eine Unterteilung in Einzelbereiche therapeutisch nicht statt. Sie werden entsprechend den interdisziplinären Übergängen nicht getrennt vollzogen.

8. Kooperationen

Eine Zusammenarbeit der Klinik  PRIVATINUM und des PENTA-Instituts  erfolgt konsiliarmäßig mit Praxen, Instituten und Kliniken, die interdisziplinäre Maßnahmen privilegieren und das Ziel verfolgen, Menschen nicht nur schnell sondern auch möglichst stabil in ihr gewohntes Leben wieder zu integrieren.

Eine Konsiliartätigkeit des Penta-Instituts erfolgt in folgenden Bereichen:

  • SOMATISCHE MEDIZIN: Neurologie, Schmerztherapie
  • PSYCHOSOZIALE MEDIZIN: Psychiatrie und Psychosomatische Medizin, Sozialpsychiatrie und -medizin
  • PSYCHOTHERAPIE: Systemische -, Psychodynamische -, Verhaltens-, Familien- und Paartherapie

9. Literatur

(1) Bateson, G. ( 1982) Geist und Natur. Eine notwendige Einheit
(2) Foerster v., H. (1993) KybernEthik. Merve Verlag, Berlin, ISBN 978-3-88396-111-8.
(3) Foerster v., H. (2005) Sicht und Einsicht (Erkenntnistheorie, Selbstorganisation und Kommunikation)
(4) Cohn, R., Terfurth C. (1993) Lebendiges Lehren und Lernen, TZI -Themenzentrierte Interaktion- macht Schule
(5) Glasersfeld v. E., (2006) Kybernetik. In: Leon R. Tsvasman (Hrsg.)ISBN 3-89913-515-6
(6) Haken, H., Schiepek G. (2005) Synergetik in der Psychologie
(7) Haken, H., (1978) Synergetische Ordnungprinzipien in Physik und Datenverarbeitung
(8) Haken, H., (2004) Die Selbstorganisation komplexer Systeme – Ergebnisse aus der Werkstatt der Chaostheorie
(9) Luhmann, N., (2002) Einführung in d. Systemtheorie, ISBN 3-89670-292-0
(10) Luhmann, N.. (1988) Erkenntnis als Konstruktion. Benteli Verlag, Bern
(11) Maturana, H., (1994) Was ist erkennen? Die Welt entsteht im Auge des Betrachters.
(12) Maturana, H., (2005) Wie lebendige Systeme ihre Wirklichkeit konstruieren
(13) Watzlawick, P., Bevin, J.H. (2011) Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien
(14) Walker, Wolfgang (1996): Abenteuer Kommunikation. Bateson, Perls, Satir, Erickson und die Anfänge des Neurolinguistischen Programmierens (NLP). Klett-Cotta, Stuttgart, (Grundlagen und Geschichte des NLP), ISBN. 3-608-91976-7.
(15) Grinder, John; Bandler Richard (1982): Kommunikation und Veränderung. Die Struktur der Magie II. Junfermann, Paderborn, (Meta-Modell und Konzept, Original: The Structure of Magic. Vol. II.), ISBN 3-87387-735-X.1976
(16) Uexküll von, Th., Geigges, W. , Plassmann R., (2002) Integrierte Medizin: Modell und klinische Praxis,
(17) F. Attneave: Informationstheorie in der Psychologie (a. d. Engl., Bern 31974);
(18) H. Benesch: Zwischen Leib u. Seele. Grundlagen der Psychologie (1988).
(19) E.W. Burrer: Kybernetik in der Medizin (2014)

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer