Schmerztherapie

Die psychosomatische und neurologische Schmerztherapie ist eine multimodale Schmerztherapie. Sie umfasst die Behandlung psychosomatischer Schmerzzustände (z.B. Wirbelsäulenleiden) unter Einbeziehung neurologischer, psychiatrischer, psychosomatischer und psychologischer Disziplinen nach einem kybernetisch ausgearbeiteten Plan. Insofern sprechen wir auch von einer kybernetisch ausgerichteten (regelkreisgeprägten) Schmerztherapie. Schmerztherapien sollten so früh wie möglich erfolgen, um Veränderungen des Gehirns vorzubeugen.[Univ. Prof. Dr. Thomas R. Tölle, München, Neurologische Universitätsklinik rechts der Isar].

  1. Einleitung
  2. Was ist Schmerztherapie
  3. Indikationen der Schmerztherapie
  4. Psychologie des Schmerzes
  5. Kybernetische Aspekte der Therapie
  6. Diagnostik
  7. Regeln Psychosomatischer Therapie
  8. Multimodale Therapie (mit Schmerzmanagement)
  9. Zusammenfassung
  10. Literatur

1. Einleitung

Der Ansatz der multimodalen Schmerztherapie geht von einer Schmerzbehandlung aus, die eine Behandlung von Patienten mit somatischen Schmerzzuständen (z.B. Wirbelsäulenleiden) unter Einbeziehung neurologischer, psychiatrischer, psychosomatischer und psychologischer Disziplinen nach einem kybernetisch ausgearbeiteten Plan umfasst. Insofern sprechen wir auch von einer kybernetisch ausgerichteten (regelkreisgeprägten) Schmerztherapie.

Teamarbeit von uns und den Konsiliarärzten ist bei der Behandlung gefragt. Neben ärztlichen Schmerzspezialisten z. B. Anästhesisten arbeiten bei der Behandlung auch Physiotherapeuten, Pflegepersonal, Kunst- oder Musiktherapeuten, extramurale Fachärzte mit fachgebietsübergreifender Ausbildung (z.B. Craniosacraltherapie, Osteopathie) zusammen.

Die Therapie integriert sowohl die biologisch gestörte Struktur, als auch die psychischen Problemsituationen und sozialen Störungen des Umfeldes, deretwegen der Patient ursächlich in unserer Behandlung ist.

Der Patient wird immer in das Behandlungsteam eingebunden. Schmerzpatienten haben bereits zahlreiche Ärzte und Kliniken durchlaufen und ihre individuellen Erfahrungen gesammelt. Daher ist es wichtig, sie während der Behandlung in die Entscheidungen des ärztlichen Teams mit einzubinden (Personalisierte Medizin). Unrealistische Erwartungen, Ängste, etc. können so direkt angesprochen werden. Um das zu gewährleisten, erhält der Patient eine engmaschige Betreuung.

2. Was ist Schmerztherapie

3. Indikationen der Schmerztherapie

Indikationen
  • Somatoformen Störungen
  • Dissoziative Störungen (Konversionsneurosen)
  • Herzneurose
  • Psychogene Atemstörungen (Brustschmerzen)
  • hypochondrische Störungen
  • Neurasthenie
  • Psychosomatosen u.a.
  • Psychogener Schmerz
  • Psychogene Schmerzsyndrome mit somatischer Fixierung [Myogelosen z. B.]
    Komorbide Erkrankungen als Folge* von Schmerz oder als zusätzliche Krankheitsursache **
  • Komorbide Somatische Schmerzstörungen**
  • Chronische Schmerzsyndrome** somatischer Ursache [LWS-Syndrom z. B.]
  • Adipositas*
  • Schmerzmittelabusus*
  • Depressionen*
  • Angststörungen*
  • Insomnie*
  • Haare*: Die Versorgung mit Mineralien lässt nach, so dass wir Haare verlieren oder die Haare sich weiß verfärben als indirekte stressbedingte Schmerzfolge
  • Immunsystem*: Schmerz, negative Gefühle wie Angst und Ärger schwächen auf Dauer das Immunsystem und unsere Abwehrkräfte enorm. Das Risiko, an Infektionskrankheiten wie an einer Grippe zu erkranken, ist um ein Vielfaches höher, Wunden heilen schlechter und langsamer. Das Gleiche gilt für den Schmerz.
  • Haut*: Der Stoffwechsel wird chronischem Schmerz verlangsamt und der Körper entgiftet schlechter. So entsteht Stoffwechselmüll (sog. freie Radikale), der die Zellen angreift. Die Haut altert schneller.
  • Nieren und Leber*: Da der Stoffwechsel durch Schmerzen u. U. verlangsamt ist, müssen Leber und Nieren mehr Abfallprodukte abbauen. Das Risiko für Nierenentzündungen ist in diesen Fällen höher.
  • Seelische Krisen*: Schmerz und chronisch belastende Gefühle können zu zahlreichen psychosomatischen Beschwerden, u. a. Schmerzsyndrome führen. Die Auswirkungen sind somatopsychisch ausgerichtet
Kontraindikationen
  • Somatisch verursachte Schmerzerkrankungen
  • Chronische Schmerzerkrankungen, die einer speziellen Schmerztherapie und einer pflegerischen Überwachung bedürfen,

4. Psychologie des Schmerzes

Einleitung
Jede medizinische Behandlung bietet eine Möglichkeit, über somatische Symptome, psychische Konflikte, besonders aber über verinnerlichte Schmerzen, Symbole, Bilder und Vorstellungen den Menschen mit sich selbst in Berührung zu bringen [Viktor von Weizsäcker].

Wenn verinnerlichte Bilder, d.h. auch Schmerzvorstellungen, Symbole, Prägungen, Erfahrungen und Konfliktmuster eines Menschen mit Sorgfalt und analytischem Vermögen in einer psychosomatische Behandlung herausgearbeitet werden, setzt dies nach heutigem Wissen ein interaktives, kybernetisch gesehen, synergetisches Vorgehen voraus [s. Haken, Schiepek, 2005]. Die Behandlungen stützen sich deshalb auf neuronale Information und Rückkoppelung als zentrales Konzept.

Im Sinne N. Luhmanns geht Rückkoppelung sich selbst reproduzierbarer Prozesse aber nicht ohne Sinn. [„soziale und psychische Systeme operieren mit Sinn“]. Dies bedeutet, dass eine Behandlung ohne Sinn [oder Ziel] für therapeutisches Umfeld und Patient nicht wirken kann.

  • Erfolg ist möglich, wenn der Patient in einer Behandlung innerlich bereit ist, sich anzuvertrauen, der Therapeut bereit ist, ihn zu validieren.
  • In einem weiteren Behandlungsprozess ist der Patient bereit, die Hintergründe seiner Erkrankung zu betrachten und zu respektieren, der Psychotherapeut bereit, dessen Sichtweisen zu relativieren und zu korrigieren, um selbstregulierende Prozesse wie Trauer, Veränderung und Neuorientierung zu fördern [Selbstverantwortung].
  • Dies gelingt durch eine sich ändernde Rückkopplung im teilstationären Umfeld. Auf eine therapeutische Intervention bzw. Deutung oder o reagiert der Patient z. B. anders als gewohnt. Diese Reaktion bewirkt wiederum ein anderes seines Umfeldes, dieses wiederum beeinflusst das Verhalten des Patienten positiv usw. Interaktiv können sich somit neuronale und psychische Prozesse in einer Therapie korrigieren. In diesem Sinne bewirkt Therapie eine Korrektur nicht intakter psychischer und neuronaler Interaktionen.

5. Kybernetische Aspekte

Lernfähigkeit neuronaler Netze: Es hat es in der Evolution des Menschen Millionen Jahre gedauert, bis seine Hirnzellen bzw. die neuronalen Netzwerke derselben und des Körpers in ihrer heutigen Ausprägung entwickelt wurden. Eine wesentliche Eigenschaft der Neuronennetze besteht dabei darin, dass synaptische Verbindungen im Gehirn sich mit der Zeit ändern können, weil das Nervensystem lernfähig ist. Diese entwickeln eine psychische Resistenz, wenn sich Belastungen zeigen. Entsprechend der Rekursivität aller bio-sozio-psycho~somatischen Prozesse ist naheliegend, dass viele psychischen Probleme Schmerz und umgekehrt somatische Probleme psychisches Leid bewirken.

Werden diese unerträglich oder chronisch, zeigen die Netzwerke z. B. psychogene Schmerzreaktionen. Es geht neuronal um unzählige Module und Milliarden von Zellen und Billionen von Synapsen, die sich selbst ordnen, wenn sie therapeutisch richtig angeregt werden. Diese  Änderungsfähigkeit ist die Grundlage unserer Schmerzbehandlung.

  • Ziel unserer Behandlung ist eine ganzheitliche Vorgehensweise, in der der Patient gewissermaßen Freude an seiner Genesung entwickelt, bzw. dafür indirekt [Ichstärkung etc.] „belohnt“ wird und „Anerkennung“ [Stärkung seiner fragilen Selbstanteile] erzielt.
  • Nicht allein die Schmerzbeseitigung ist für einen Patienten entscheidend, sondern seine kommunikative Erfahrung, und Beziehung sowohl  zu anderen Menschen als auch zu seinen Therapeuten, dem Pflegepersonal und der Stationsgruppe. Sie alle unterstützen direkt [therapeutisch]  oder indirekt [kommunikativ und selbstregulativ] den Erfolg der Behandlung, Multimodale Therapien sind deshalb  störungsresistenter als andere Behandlungen.
  • Kybernetisch gesehen können neurogene, hormonelle,  psychische und soziale Systeme durch sog. Verstörungen lernen [Singer, Wolf, 2005], selbstregulativ zu gesunden. Psychotherapeutisch  geht es dabei um das richtige Maß von  Forderung [Impuls] und Entlastung [Akzeptanz und Validierung] in einer Behandlung.
  • Einzelne Therapiemodule und kognitive Impulse haben in einer Behandlung weniger Erfolg als Therapien, die auf individuelle Bedürfnisse und Möglichkeiten des Patienten [personalisierte Medizin] ausgerichtet sind und sich des Weiteren durch Impulse auf Milliarden von Hirnzellen, Synapsen und Hirnmodulen auszeichnen. Die unzähligen Netzwerke des Gehirns zeigen eben, dass es schwierig ist, diese gezielt zu beeinflussen. Wir müssen medikamentös oder/und psychotherapeutisch deshalb immer anregen und auf Ressourcen und die Selbstregulation des Patienten vertrauen.
  • Das Wahrgenommene des Schmerzes oder des Symptoms ist irgendwann die belastende Wirklichkeit des Patienten geworden. Ob er den Schmerz deshalb wirklich verlieren darf, „weiß nur sein Unterbewusstsein“. Somit ist die multimodale Behandlung immer der Versuch, mit Hilfe des Patienten Prozesse anzuregen. Sie kann niemals beinhalten, Schmerzfreiheit ohne ihn, bzw. ohne Perspektiven für ihn zu erreichen. Gesundheit ist ein dynamischer Prozess, der eben permanente Achtsamkeit und Selbstfürsorge benötigt.
  • Psychogenes Schmerzerleben findet im Unterbewusstsein statt und kann geändert werden, wenn Erkenntnisse dies zulassen. Dazu muss die Psychotherapie bewusst machen und mit nonverbalen Therapieverfahren erlebbar machen, was seelisch schmerzt. Beide Verfahren führen in der Folge auch zur Änderung des Verhaltens und zur Korrektur neuronaler Netzwerke.
  • Durch kontinuierlichen Austausch mit seinem therapeutischen Umfeld, körperlich,  geistig und emotionell  reguliert der Patient sich, so auch seine somatische Widerstandsfähigkeit und seine Schmerzresistenz, er überfordert sich nicht und ändert sich langsam durch Zirkularität* und Rekursivität*, so wie es auch alle biologisch-geistigen Prozesse in der Natur seit jeher tun [siehe Geist und Natur, eine notwendige Einheit – Gregory Bateson, 1982]. *Autopoietisch ausgedrückt: „Wir sind, weil wir informieren, kommunizieren und verstehen [Zirkularität]. Und weil wir dies tun, entsteht Rückbezüglichkeit [Rekursivität], d. h. wir lernen voneinander, entwickeln uns und geben unser Wissen und unsere Fähigkeiten an andere weiter.“
  • Die Netzwerke unseres Körpers und unseres Hirns im Besonderen sind die Ausgangsbasis therapeutischer Prozesse, genauer gesagt sozio-bio-psycho-somatischer Interaktionen. Psychische und somatische  Therapieprozesse fokussieren sich in unserer Betrachtung auf fünf Dimensionen einer kybernetisch beeinflussten Medizin und Psychotherapie.
  1. die sensorisch-emotionale Dimension [Sinnesorgane, Emotionen und Schmerzerleben im  limbisch-kortikalen System],
  2. die kognitive Dimension [geistige Fähigkeiten, Grosshirn],
  3. die soziale Dimension [Kommunikation],
  4. die biologische Dimension [alle Körperzellen und Organsysteme wie  Kreislauf, Verdauungssystem, Immun- und  Hormonsysteme mit biologischer Umwelt  wie Pflanzen, Tiere, Bakterien, Viren],
  5. die physiologische Dimension [physikalische Konsistenz der Erde und anderer fester Stoffe, der Elektrolyte, des Wassers, Licht, der Luft, Wärme und Kälte, die physikalisch- physiologischen Abläufe der Nervenbahnen, der Sinnesorgane, des Bewegungsapparates, der Muskulatur, Haut und anderer Organe mit der Umwelt].
  • Wir können einen Menschen nicht endgültig schmerzfrei machen, ohne ihn auch „einzuschränken“ [z.B. durch Medikamente]. Wir können aber erfolgreich verstärken und fördern, was da ist. Dies sind seine  körperlich-seelischen Ressourcen, die er vielleicht nicht mehr nutzt. Mit nsere Behandlung ist somit immer auch Teil  einer erfolgreichen Selbstregulation unseres Patienten [Hippokrates: „Medicus medicus curat,  natura sanat“].
  • Es sind Bewegungshunger, Neugierde, Wissensdurst, Wunsch nach Identifikation, nach Resonanz, zusammengefasst der Wunsch nach Leben, der den Schmerz manchmal bewältigt, der einem begegnet. Der Mensch und damit sein soziales Umfeld sind deshalb fähig, selbstregulativ zu gesunden, wenn man sie  belässt bzw. konstruktiv unterstützt. Im Falle unserer Patienten heißt dies, dass sie  in der Therapie gewissermaßen lernen können zu leben. Die Voraussetzung ist durch die Lernfähigkeit ihrer neuronalen Netze gewährleistet. [Humberto Maturana 1990].
  • Grundsätzlich will ein Mensch gesunden und gestalten. Er kann es zum Teil auf seine Weise, wenn man ihm vertraut, und ihn validiert. Dies ist eine Tatsache des Lebens, bzw. das Gesetz der Selbstreferenz. Wer will, kann, sofern sein Vertrauen in in sich und in seine Konstrukte ihn tragen.
  • Alles ist in unserer Klinik darauf ausgerichtet, den Patienten zu erreichen, somatisch, emotionell und mental. Nur wenn es gelingt, ihn in diesen drei Bereichen zu sensibilisieren, reagiert sein Körper, seine Seele oder sein Geist. Eric Kandel [Nobelpreisträger] spricht von einer „personalisierten auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten zugeschnittenen Medizin“ [2008].  Jede Begegnung mit dem Patienten ist deshalb abhängig von vielen Faktoren. Der Behandler muss dabei ständig abwägen, was er dem Patienten therapeutisch zumuten kann, um seine Selbstheilungprozesse nicht zu hemmen.

6. Diagnostik

Eine gründliche Anamnese (Befundaufnahme) zur Erkennung und Bewertung der allgemeinen Krankengeschichte ist das erste und zugleich oberste Gebot. Dazu werden Hilfsmittel benötigt.
  • Körperliche Untersuchung
  • Laborkontrollen (z. B. Rheumadiagnostik, Stresshormone)
  • Stresstest (Herzfrequenzvariabilität)
  • psychologische Diagnostik
  • Erstellung eines allgemeinen Risikoprofils (Laborwerte, EKG, ggf.Schlaflabor)
  • Belastungs-EKG Langzeitblutdruckmessung,
  • EEG (extramural)
  • Ggf. Notfalldiagnostik und Notfallbehandlung.
  • Psychologisch-Psychotherapeutische Diagnostik
  • Diagnostisch gibt es weitere Methoden, eine Krankheit zu erkennen, bzw. den Patienten aufgrund des Verdachts in Bezug auf eine Krankheit zu untersuchen. Extra-mural bietet sich die Gewebs- und Zelldiagnostik an. Bildgebende Verfahren haben sich deutlich verbessert – ob mit oder ohne einer Kontrastmittelzugabe, sodass durch das Röntgen, die Magnetresonanztomografie oder Computertomografie Krankheiten hervorragend diagnostiziert werden können, ohne den Patienten mit extrem hohen Strahlen zu belasten. Auch die Sonografie (Ultraschall), die Endoskopie (Magenspiegelung) und die Koloskopie (Darmspiegelung) sind für uns hilfreiche Untersuchungen.
Die Schmerztherapie der Klinik geht von dem Grundsatz aus, dass der Körper nicht seelenlos und die Seele nicht körperlos ist.
Von zentraler Bedeutung ist zum einen das anamnestische Gespräch und die Planung  der therapeutischen Aktivitäten, zum anderen die Arbeit an einem auf die Selbstregulation des Patienten ausgerichteten Behandlungsplan. Prozesse neuronaler Vernetzungen korrigieren sich dabei in einem Lernprogramm selbst, allerdings durch entsprechende Impulse wie  Psychotherapie, Physiotherapie und Medikation.
Therapeutische Zugänge gestalten sich wie folgt:
  1. biologisch  [z.B. durch Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, Serotonin oder Schmerzrezeptoren]
  2. affektiv und sensomotorisch durch Bewegung, Koordination und Körpererleben
  3. kognitiv durch Vorstellungen, Bilder und  Phantasien
  4. kognitiv-affektiv [emotional] durch Beziehung und Verhalten
  5. Eine medikamentöse Schmerztherapie  ist im Bedarfsfall eine supportive Behandlung, die den Zugang mit Psychotherapie und Physiotherapie bahnt.
Alle fünf Prozesse zusammen ermöglichen therapeutisch Zugänge z. B. durch eine medikamentöse Schmerzbehandlung, die den Zugang durch Psychotherapie und Physiotherapie erleichtert, z. B. durch Stimmungsverbesserung mit antidepressiver Medikation*, z. B. durch Vorstellungen der Geborgenheit im Kontext der Entspannungstherapie, z. B. durch affektives Körpererleben in einer nonverbalen Körpertherapie mit Korrektur des Körpererlebens durch neue Erfahrung, z. B. durch therapeutische Beziehung zum Psychotherapeuten mit Korrektur von Projektion und Verhalten.
*[sehr wichtig, wenn mit dem körperlichen Schmerzen und den Funktionseinbußen auch das Selbstwertgefühl und  die Lebensbewältigung des Betroffenen beeinträchtigt ist]

7. Regeln Psychosomatischer Therapie

Folgende Punkte verdeutlichen die Wege der Therapie

8. Die Multimodale Methode

Die Struktur des Teams
Der Ansatz der multimodalen Schmerztherapie geht in unserer Klinik von einer kombinierten Behandlung aus, die eine interdisziplinäre Behandlung von Patienten mit somatische Beschwerden [z. B. Wirbelsäulenbeschwerden] unter Einbeziehung von psychiatrischen, psychosomatischen, neurologische oder internistischen Therapien nach einem ärztlichen Behandlungsplan umfasst.

Teamarbeit ist bei der Behandlung gefragt. Neben ärztlichen Therapeuten arbeiten Physiotherapeut, Pflegepersonal, Ergotherapeut, Sozialtherapeut, Psychologe und das Fachgebiet übergreifender Ärzte (Konsiliarärzte) im Team zusammen. Die Therapie ist integrativ, so dass sowohl die somatisch gestörte Struktur, als auch die psychischen oder sozialen Problemsituationen in die Behandlung mit einbezogen werden.

Der Patient wird in das Behandlungsteam eingebunden.
Die meisten Patienten haben bereits zahlreiche Ärzte aufgesucht und Kliniken durchlaufen und ihre individuellen Erfahrungen gesammelt. Daher ist es wichtig, sie während der Behandlung in die Entscheidungen des ärztlichen Teams einzubinden. Unrealistische Erwartungen, Ängste, etc. können so direkt angesprochen werden. Um das zu gewährleisten, erhält der Patient eine engmaschige Betreuung.

Alle Bausteine in der Therapie haben zum Ziel, dass die Betroffenen sich ihres Krankheitsbildes bewusst werden, sich wieder motivieren können und aktiv werden. Der Betroffene soll in gewissem Sinne Experte seiner Erkrankung werden.

Der Therapieplan wird mit dem Patienten nach seinen Möglichkeiten sowie den medizinischen Erfordernissen abgestimmt.

Die Therapie umfasst folgende Bereiche:

Strukturkriterien des psychosomatischen Schmerzmanagements

Ausstattung der Station:

  • Spezifische Assessmentinstrumente [Fragebogen zum Behandlungsbeginn, Deutscher Schmerzfragebogen, Schmerz-Verlaufsfragebogen am Ende einer Behandlung]
  • Die Station verfügt über Mittel zur Dokumentation
  • Pflegerische Schmerzexperten sind konsiliarärztlich verfügbar
  • Geschulte Mitarbeiter sind da
  • Medikamentöse und physiotherapeutische Therapiemaßnahmen werden bei einer speziellen Schmerztherapie konsiliarärztlich angeordnet.

Pflege

  • Diese erfolgt mit pflegerischem Schmerzexperten der orthopädischen Praxis in Haus der Klinikdependance zusammen.
  • Schmerzexperten der Station sind weitergebildet [z. B. zur Differenzierung chronischer und akuter Schmerzen].
  • Planung und Koordination bezogen auf das Schmerzmanagement erfolgt bei chronischen Schmerzen in Kooperation mit pflegerischem Schmerzexperten.
  • Evaluation des Schmerzmanagements erfolgt durch die Pflege

9. Zusammenfassung

Symptome, besonders Schmerzen sind grundsätzlich wie auch Affekte notwendig, um seelisch und körperlich auf Noxen reagieren zu können. Symptome wie Schmerzen benötigen wir deshalb zu unserer Entwicklung [Wuketitis Franz, 2008: Ch. Darwin]. Die Psyche und der Körper stützen sich dabei auf Organe, die Schmerzerleben vermitteln. Dies sind Gehirn, Nervenbahnen, Haut, Muskeln, Bindegewebe usw. Mittler sind organische Prozesse, also Biochemie und Physiologie. Einflüsse auf Symptome sind daher am sinnvollsten, wenn sie auf die Ursachen derselben einwirken, d. h. bei psychisch verursachten Schmerzen auf die intrapsychischen Konflikte, bei körperlich verursachte Schmerzen auf somatische Prozesse.

Einflüsse auf die Psyche sind durch Psychotherapie, Entspannung und Bewegung möglich. Das zentrale Nervensystem kann dabei eigene morphinartig und antidepressiv wirkende Substanzen zur Selbstregulation bilden. Einfluss auf das Schmerzerleben kann mit Physiotherapie, Antidepressiva und Schmerzmittel genommen werden.

Unsere Behandlung bietet dem Patienten eine Möglichkeit, über seine somatischen Symptome, seine intrapsychischen Konflikte und sein „leib-seelisches“ Erleben mit sich in Berührung zu kommen. Für den Arzt Viktor von Weizsäcker, den Begründer der Psychosomatik war es deshalb die somatische Krankheit selbst mit ihrer Symbolik und Bedeutung und dem Zeitpunkt ihres Auftretens, die Berührung mit sich selbst ermöglicht. Für uns ermöglichen des Weiteren Vorstellungen, Konstrukte und Projektionen des Patienten, ihn mit seinem seelischen, körperlichen und geistigen Selbst in Kontakt zu bringen. Somatisches und psychisches Erleben sollen ihn in der Behandlung erden und ihm in der Folge ermöglichen, zu gesunden, bzw. sich zu ändern. Wichtig für unserer Patienten ist immer zunächst die Akzeptanz ihrer Symptome, danach erst folgt die Bewältigung der Erkrankung. Mag es anfangs auch ein sehr steiniger Weg , sein, erst „zu erkennen, was ist“. Es ist aber ihr eigener Weg, der zum Ziel führt.“

10. Literatur

  • Benrath, Hatzenbühler, Fresenius, Heck (2015): Repetitorium Schmerztherapie
  • Breuer Reinhard (1993) Der Flügelschlag des Schmetterlings. Ein neues Weltbild durch die Chaosforschung.
  • Dokumentation Schmerztherapie https://www.springer.com/cda/content/document/cda_downloaddocument/9783540298908-c1.pdf?SGWID=0-0-45-329590-p136752794
  • Egle, Ulrich T.; Zentgraf, Burkhard (2017): Psychosomatische Schmerztherapie Grundlagen, Diagnostik, Therapie und Begutachtung
  • Fragebogen Schmerz  https://www.dgss.org/deutscher-schmerzfragebogen/
  • Grossarth-Maticek, R. (2000): ä: Gesundheit und Problemlösung d. Anregung durch Selbstregulation
  • Gröber Uwe Mikronährstoffberatung
  • Haken, H. ,Schiepek G. (2005): Synergetik in der Psychologie
  • Iacoboni, M. (2011): Woher wir wissen, was andere denken und  fühlen: Spiegelneuronen
  • Kandel, E. (2008): Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes
  • Luhmann Niklas (1984): Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie.
  • Jung, C. G. (1913 und 1968) Der Mensch und seine Symbole
  • Kestler, H.A. (1996) Kybernetik.  Im  Wörterbuch der   Kognitionswissenschaft.
  • Ludewig, Kurt (1997) Systemische Therapie, Grundlagen klinischer Theorie u.Praxis.
  • Maturana, Humberto (2005) Wie lebendige Systeme ihre Wirklichkeit konstruieren
  • Schockenhoff, Bernd (2002) Spezielle Schmerztherapie
  • Singer Wolf (2005), Selbsterfahrung und neurobiologische Forschung,
  • Singer, Wolf (2002) Der Beobachter im Gehirn
  • Spitczok von, Brisinski Ingo (1999) Ressourcenorientierung, Lösungsorientierung und systemische Theorie.
  • Stankewitz A, Valet M, Schulz E, Wöller A, Sprenger T, Vogel D, Zimmer C, Mühlau M, Tölle T (2013) Pain sensitisers exhibit grey matter changes after repetitive pain exposure: A longitudinal voxel-based morphometry study. Pain:154(9):1732-7.
  • Surhone, Tennoe, Henssonow S.F. (2010) Die adaptive Reaktion
  • Weizsäcker,Viktor von (2008)  Warum wird man krank? Ein Lesebuch
  • Wuketitis, Franz (1987) Charles Darwin. Der stille Revolutionär. Piper
  • Zettl, Uwe K.,Mix E.1999, Klinische Neuroimmunologie

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer