Ein psychotherapeutisches und ärztliches Verfahren des Privatinum.

  1. Definition
  2. Information
  3. Theorie
  4. Therapieansätze
  5. Zusammenfassung
  6. Quellen

1. Definition der Therapie

Bei der Systemischen Therapie handelt es sich um eine Psychotherapie, die seelische und körperliche Störungen bzw. Erkrankungen als Folge der auf den Patienten [1] und sein soziales Umfeld einwirkende Störungen versteht. Die Therapie sieht deshalb ihr Ziel darin, Kommunikation und Struktur in einer Gruppe, Familie oder Zweierbeziehung zu korrigieren und zu regulieren.

Es geht um die Umsetzung von Behandlungen, die auf Information, Interaktion und Rückkoppelung als zentrales Konzept basieren. Allgemein ausgedrückt kann dies bei jeder Therapie zwischen Arzt und Patient geschehen, wenn beide Seiten sich im Dialog begegnen.

Bezogen auf die Psychiatrie bedeutet dies, daß nicht nur der kranke Mensch im Mittelpunkt steht, sondern auch sein soziales Umfeld, d. h. seine Beziehungen zur Familie, zum Arbeits- oder zum sonstigem sozialen Umfeld (Sozialpsychiatrie).

Eng mit der Psychiatrie verbunden ist die Psychosomatische Medizin, die sich mit den Auswirkungen der seelischen Verfassung auf den Körper beschäftigt. Dazu zählen körperlichen Störungen, die sich seelisch auswirken (Somatopsychische Medizin).

Die Systemische Therapie stellt eine prozessorientierte bzw. interaktive Diagnostik und Behandlungsform systemischer und zirkulär bedingter oder ausgelöster Erkrankungen dar.

Indirekt erfolgt aber auch bei anderen Pychotherapien eine Einflussnahme auf das systemische Erleben des Kranken, da therapeutische Beziehung immer zirkulären und rekursiven Prozessen unterliegt.

[1] Aus didaktischen Gründen werden männliche und weibliche Bezeichnungen durch allgemeine Begriffe wie „der Mensch“ oder „die Person“ ersetzt. Wenn die neutrale Ausdrucksweise nicht möglich ist, werden Begriffe wie „der Patient“ für beide Geschlechter angewandt.

2. Information

a) Prinzipien der Systemischen Therapie

Die Anwendung der systemischer Behandlung basiert auf gewissen Prinzipien

  • Integration ganzheitlicher Faktoren in Diagnostik und Therapie.
  • Kooperation von Patient und Therapeut
  • Therapie und Eigenverantwortung des Patienten ergänzen sich
  • Integration von Psychotherapie, Medizin und Beratung, auch durch Bildung interdisziplinärer Teams
b) Möglichkeiten der Systemischen Therapie

Die Systemischen Therapie zielt ab auf eine komplexe  Erfassung gesundheitlicher Störungen und Aktivierung der Selbstregulation von Seele und Körper – auch in sozialer Hinsicht.

  • Die Therapie gelingt bei entsprechender Indikation durch zirkulär gesteuerte psychische, somatische oder soziale Impulse des Psychotherapeuten oder Arztes.
  • Sie zeigt sich auch in psychodynamisch (tiefenpsychologisch/ psychoanalytich) oder verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Therapien, da es auch dort um die Erarbeitung stabiler sozialer Konstrukte geht.
  • Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie Konflikte, psychische und somatische Störungen eines Menschen in Beziehung zu seinem sozialen Umfeld besonders berücksichtigt.
  • Sie strebt die Integration des erkrankten Menschen in seinem gesellschaftliches Umfeld an (Systemische-, Familien- und Paartherapie).
  • Sie kann bei entsprechender Indikation Heilung auf psychosomatischer, psychischer, und somatischer Ebene ermöglichen.

3. Theorie

4. Therapiemodelle

5. Zusammenfassung

Zirkularität und Rekursivität sind Prinzipien menschlicher Begegnung und die Regeln des Lebens. Sie können beim Menschen durch die Interaktion des Körpers mit dem zentralen Nervensystems dargestellt werden (der Körper steuert den Geist  und die Seele, diese wiederum den Körper).

Jede ärztliche Behandlung bietet die Möglichkeit, über somatische Symptome, psychische Probleme, soziale Konflikte und Vorstellungen mit sich in Berührung zu kommen.

  • Für Viktor von Weizsäcker, den Begründer der Psychosomatik, war es die somatische Krankheit selbst mit ihrer Symbolik und Bedeutung, genauso dem Zeitpunkt ihres Auftretens.
  • Karl Jaspers, Psychiater und Philosoph, betonte in seiner Existenzphilosophie die von Bildern und Vorstellungen geprägte Existenz des Menschen („Ich sein, Selbst sein und Sinnsuche“).
  • Bei C. G. Jung, Psychiater und Analytiker, waren es die Symbole und Märchen, die Prägungen und Erinnerungen kollektiver Art zu Tage fördern.
  • Bei S. Freud, Neurologe und Psychoanalytiker, waren es die Konstrukte der sog. Übertragungsphantasien und Erinnerungen des Betroffenen.
  • Für den Biophysiker H. von Foerster waren es die von Erkenntnis geprägten Konstrukte des Menschen, die die Psyche reflektieren.
  • Für den Arzt und Chirurgen Hans Kilian war es das vom Glauben an Gott geprägte Konstrukt von Arzt und Patient.

Wenn in einer Psychotherapie somit Symptome, Konflikte, innere Konstrukte und Erfahrungen bei einem Menschen mit grosser Sorgfalt herausgearbeitet werden, ist das Vorgehen interaktiv (rückbezüglich und regelkreisgeprägt).

Therapeutisch geht es bei der Systemischen Therapie um die Umsetzung von Behandlungen, die auf Information, Interaktion und Rückkoppelung als zentrales Konzept basieren. Allgemein ausgedrückt kann dies bei jeder Therapie zwischen Arzt und Patient geschehen, wenn ein Vertrauensverhältnis entsteht, in dem beide Seiten sich im Dialog begegnen.

Grundsätzlich lässt man es immer in einer von Selbstregulation geprägten oder beeinflussten Psychotherapie „fließen“, läßt Assoziationen, Einfälle und Phantasien zu. Man geht „mit dem Patienten mit“ und „findet dessen Persönlichkeit“, um die es in jeder professionellen Behandlung geht. Denn wer mit sich stimmig ist, gesundet eher als ein in sich zerrissener Mensch.

6. Quellen

  • Bertalanffy von, Ludwig (1953): Biophysik des Fließgleichgewichtes.
  • Boothe, Bigitte (1994). Der Patient als Erzähler in der Psychotherapie. Göttingen/Zürich: Vandenhoeck + Ruprecht.
  • Dörner, Dietrich (2003) Die Logik des Mißlingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen.
  • Foerster von, Heinz (1998): Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.
  • Foerster von, Glasersfeld von: Wie wir uns erfinden.
  • Foerster von, Glasersfeld von u.a. Einführung in den Konstruktivismus.
  • Haken, H., Schiepek, G. (2005): Synergetik in der Psychologie.
  • Haken, H. (1978): Synergetische Ordnungsprinzipien in Physik und Datenverarbeitung.
  • Jaspers, Karl (1913): Psychopathologie.
  • Jung, C. G. (1913 und 1968): Der Mensch und seine Symbole.
  • Kilian, Hans (1963): Hinter uns steht nur der Herrgott – ein Chirurg erinnert sich.
  • Luhmann Niklas(1984): Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie.
  • Maturana, H.,Varela F. (1980): Autopoiesis and Cognition: The Realization of the Living.
  • Maturana, Humberto (2005): Wie lebendige Systeme ihre Wirklichkeit konstruieren.
  • Maturana,Varela,(1987): Der Baum der Erkenntnis: Wurzeln des menschlichen Erkennens.
  • Piaget Jean (2010): Das Weltbild des Kindes / 9.Auflage.
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Helm_Stierlin
  • Singer Wolf (2005): Selbsterfahrung und neurobiologische Forschung.
  • Singer, Wolf (2002): Der Beobachter im Gehirn.
  • Scholz, W.U. (2002). Neuere Strömungen und Ansätze in der Kognitiven Verhaltenstherapie. Stuttgart: KlettCotta.
  • Stark, W. (1992). Gemeindepsychologische Geschichte(n): Zur Bedeutung v. Geschichten f.eine gemeindepsych. Perspektive
  • Surhone, Timpledon, Marseken: Adaptive Reaktion.
  • Weizsäcker, Viktor (1986–2005): Gesammelte Schriften.
  • Weizsäcker, Viktor von (2008): Warum wird man krank? Ein Lesebuch.
  • Wiener, Norbert (1952): Mensch und Menschmaschine. Kybernetik und Gesellschaft.

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer