Interaktive Medizin

[Erich Wolfgang Burrer]

Das Nervensystem ist der Mittelpunkt des Menschen, das über alle Bereiche des Körpers und seiner Gesundheit in grundlegender Weise mitentscheidet [E.W. Burrer, 2012: Kybernetik in der Medizin]

Es spielt eine zentrale Rolle

  • beim seelischen Befinden (Neuropsychologie),
  • bei allen somatischen Abläufen im Körper (Neurosomatik)
  • oder im erweiterten Sinne im ökologische Umfeld, das nach F. Capra wie unser selbstorganisatorisch tätiges Nervensystem geordnet ist.

Besonders die Neurobiologie, Soziologie und Philosophie haben in den letzten Jahrzehnten die neuronal und ökologisch verknüpften Netzwerke intensiv erörtert und neue Fragen aufgeworfen. Durch die psychologische Synergetik [H. Haken, G. Schiepek], durch das Prinzip der Selbstorganisation [1] und die Kybernetik selbst [H.v. Foerster] haben wir Antworten erhalten, die für psychodynamische, verhaltenstherapeutische und systemische, aber auch alle anderen medizinischen Behandlungen von großer Bedeutung sind. Die Psychosomatische Medizin und Psychiatrie beschäftigt sich deshalb seit einiger Zeit intensiv mit selbtsregulativen Möglichkeiten des Menschen.

Medizin bedeutet für sie nicht mehr – wie üblich – Behandlung der Krankheit oder Störung, sondern auch Aktivierung selbstregulativer Prozesse des zentralen Nervensystems, Körpers, biologischen und sozialen Umfeldes. Dafür verantwortlich ist ein kybernetisches Zusammenspiel von fünf Dimensionen (eine interaktive Vernetzung oder “Penta-Medizin”[2]. Es war bereits 2012 in der Sigma-Akademie, in der Prof. Burrer bis 2019 Direktor war, das Ziel, Kolleginnen und Kollegen, Patientinnen und Patienten, des Weiteren Interessierten Erkenntnisse einer regelkreisorientierten Medizin zugänglich zu machen. Das Prinzip wurde 1999 in der Praxis Burrer, 2000 in der Penta-Klinik und 2015 in der Akut- und Tagesklinik Privatinum eingeführt.

Bei der interaktiven Medizin bedarf es eines Vorgehens, das Systemen erkrankter Menschen in physikalischer, biologischer, sozialer, geistiger und emotionaler Hinsicht gerecht wird.Hier hilft eine ökologisch-kybernetische Sichtweise, wie sie von Helm Stierlin und Michael Wirsching 1982 beschrieben wurde. Sie ermöglicht, in klassischen Therapien steuernde Ansätze, bei denen durch regelkreisbezogenes Ordnen von psychotherapeutischen und medizinischen Behandlungen ein Behandlungsmodell nachhaltig, spezifisch und schnell unterstützt werden kann.

Kybernetisches Handeln ist dabei nicht Behandlung, sondern die Bereitschaft von Patient und Therapeut, sich als Partner zu erleben, auch wenn der eine eine Erkrankung hat und der andere als Arzt ihm zur Seite steht. So gelingt es, in evidenzbasierten Therapien (z.B. tiefenpsychologisch fundierte / analytische Psychotherapie, systemische Therapie und Verhaltenstherapie) steuernd einzugreifen (Integration therapeutischer Module und – Methoden).

[1] siehe auch Max-Planck-Institut f. Dynamik u. Selbstorganisation Göttingen. Das Institut wurde 1925 als Kaiser-Wilhelm-Institut für Strömungsforschung gegründet und gehört zu den ältesten und traditionsreichsten der Max-Planck-Gesellschaft.
[2] Die Penta-Medizin wurde von Erich Wolgang Burrer 1999 entwickelt.

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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer