Psychodynamisch begründete Psychotherapien

(Tiefenpsychologisch fundierte -/ Analytische Psychotherapie)

Psychodynamische Psychotherapien erfolgen ambulant/ stationär im Einzel- und Gruppengespräch. Zudem sind sie flexibel einsetzbar und kann für Familien oder Paare eingesetzt werden.

Dauer und Durchführung dieser Psychotherapien: nach Indikation. Die dadurch individuell gestalteten Sitzungen verhelfen dem Patienten nicht nur zur Selbsterkenntnis, sondern besonders zu einem neuen Bewusstsein seiner selbst, einem Selbstbewusstsein.

Im Rahmen der Psychotherapie mit dem psychodynamischen Ansatz kommen der Patient und der Therapeut ein bis zu fünf Mal pro Woche zu Sitzungen. Diese dauern in der Regel circa 50 Minuten Einzelsitzungen) oder 100 Minuten (Gruppengespräch) statt. Da die Verfahren bei unterschiedlichen Krankheitsbildern angewendet werden, fällt die Dauer der gesamten Behandlung unterschiedlich aus. Sie ist zudem von vielen Einzelfaktoren im jeweiligen Fall abhängig.

Während eines Erstinterviews unter psychodynamischer Beurteilung wird vor Beginn der Psychotherapie eine Indikationsdiagnostik erstellt. Hierbei geht es um den biografischen und sozialen Kontext des Patienten. Die eigentliche Therapie erfolgt dann durch das Gespräch, in dem der Patient frei assoziiert oder durch den Therapeuten fokussiert zu seinen in der Therapie gewonnen Erkenntnissen und seinen Bedürfnissen im Leben gelangt.

Einzelne Therapieformen

Die analytische Psychotherapie (AP)

Die analytische Psychotherapie (AP) ist die Bezeichnung für sogenannte psychoanalytisch begründete Langzeittherapien. Der Begriff grenzt sie von der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (TP) ab.

Es liegen mit der Münchner Psychotherapiestudie sowie den Ergebnissen der LAC-Depressionsstudie Belege vor, die Veränderungen durch die AP nachweisen. Beide Studien zeigen, dass die AP, im Besonderen in der Langzeitwirkung anders als die VT nachhaltiger wirkt:

In der Münchner Psychotherapiestudie waren aber alle drei Verfahren (VT, TP und AP) bei revidierenden depressiven Störungen in der Reduktion aber Symptomreduktion sehr wirksam,

Stabile Effekte (drei Jahre nach Behandlungsende) wurden allerdings häufiger durch die AP bewirkt.

Wirksamkeitsnachweise und Studienergebnisse zur AP  sind auch im Open Door Review der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung zusammengestellt.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie TP

Die tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist ebenfalls eine wichtige Therapieform. Sie wird über das gesamte Spektrum von neurotischen, psychotischen und psychosomatischen Störungen angewendet. Die therapeutischen Prinzipien haben sich vor allem aus der Praxis entwickelt. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf Entwicklungsstörungen und Konflikten, die in der aktuellen Lebenssituation des Patienten auftreten. Die ausführliche Bearbeitung zugrunde liegender Ursachen solcher Konflikte und Störungen, die aus der weiteren Vergangenheit, insbesondere aus der frühen Kindheit der Patienten stammen, spielt bei der TP nicht immer eine zentrale Rolle. Es werden weitreichende Regressionen vermieden. Psychoanalytische Konzepte von Unterbewusstsein, Widerstand, Gegenübertragung und Übertragung werden von tiefenpsychologisch fundierten Therapeuten sehr beachtet, bilden aber nicht den Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit.

Patient und Psychotherapeut arbeiten zielorientiert, die Schwerpunkte und  Ziele werden vor und während der Behandlung miteinander besprochen.

Die Dauer einer TP hängt ab von der Schwere der Erkrankung ab. Häufigkeit und Dauer der Sitzungen werden dem Einzelfall angepasst. Die TP wird sowohl als Einzel- als auch als Gruppentherapie angewendet.

Verlauf einer TP

Generell ist die TP dadurch gekennzeichnet, dass sie den Blick von der Vergangenheit immer wieder zurück in die Gegenwart richtet, bzw. auf die Prägungen die sich in der Gegenwart zeigen (Hier – und Jetzt- Prinzip).

Der Therapeut versucht also, die Probleme oder Störungen, die der Patient zur Sprache bringt, als Ausdruck eines langen andauernden, inneren Konfliktes darzustellen.

Das Unbewusste, der Körper, die Angst in solchen Situationen erinnert immer wieder an ähnliche frühere Situationen, insbesondere an die Eltern.

Eine Deutung hilft dem Patienten, sich selbst besser zu verstehen. Es kann auch sein, dass dem Patienten die Auslegung nicht richtig erscheint, da er das Bild Eines Elternteils schützen will. Dies ist ein sog. therapeutischer Widerstand, der dann verständnisvoll geklärt wird, z. B. dass der Therapeut Verständnis dafür hat, dass der Patient die Bindung zum Vater noch benötigt. Er geht dann davon aus, dass der Patient eigentlich Angst vor einer neuen, schmerzhaften Erkenntnis hat und die Deutungen aus diesem Grund zurückweist. Andererseits wird er in seinen Einwänden auch ein Zeichen dafür sehen, dass er mit ihm auf dem richtigen Weg ist. Um ihm zu helfen, sich der schmerzhaften Erinnerung zu stellen und die damit verbundenen „verdrängten“ oder „vergessenen“ Gefühle zu bewältigen, wird er den Patienten einerseits zu stützen versuchen, andererseits aber auch weiter bemüht sein, ihn zu weiteren Erkenntnisschritten zu ermutigen.

Diese Haltung kann für den Patienten um so schwieriger werden, je mehr er sich über die Interpretationen des Psychotherapeuten ärgert, aufregt oder auf andere Weise auf ihn gefühlsmäßig reagiert. Normalerweise geht ein Therapeut davon aus, dass sich die Gefühle nur scheinbar gegen ihn richten, in Wirklichkeit aber gegen Personen, die im Leben des Patienten eine wichtige Rolle gespielt haben. Entsprechend wird er ihm mehr oder weniger deutlich signalisieren „Eigentlich ärgern Sie sich nicht über mich oder das, was ich gesagt habe, sondern über eine andere Person, die in Ihrem Leben wichtig war.“

Für manche Patienten und Patientinnen ist es neu, in dieser Art in eine Beziehung zu treten und die Aufmerksamkeit auf geäußerte Deutungen und Interpretationen des Therapeuten zu lenken.

Dies macht aber nichts, da in einer TP wie auch eine PA oder PP Deutungen nur in dem Maße erfolgen, wie die Ichstruktur eines Patienten diese mitträgt.

Anders ausgedrückt entwickelt sich in einer therapeutischen Beziehung langsam soviel Vertrauen, dass schwierige Themen angesprochen werden

Quellen

  • Dr. Karin Bell und Prof. Dr. M.B. Buchholz DGPT – Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie
  • R. Langs: Der beste Therapeut für mich. Ein Ratgeber für die psychoanalytische Therapie. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1991.
  • Martin Sack, Barbara Gromes, Walter Lempa (2010)Schonende Traumatherapie, Ressourcenorientierte Behandlung von Traumafolgestörungen, Schattauer Verlag
  • Fischer, G. (2000). Mehrdimensionale Psychodynamische Traumatherapie MPTT. Manual zur Behandlung psychotraumatischer Störungen. Heidelberg: Asanger.
  • Luise Reddemann, Arne Hofmann u. Ursula Gast (Hrsg.): Psychotherapie der dissoziativen Störungen. Krankheitsmodelle und Therapiepraxis – störungsspezifisch und schulenübergreifend; 9 Tabellen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart u. a. 2004 (= Lindauer Psychotherapie-Module), ISBN 3-13-130511-8. (S. 101ff: Zielorientiertes Integrationsmodell)
  • ÖO. Saint-Drome: So finde ich den richtigen Psychoanalytiker. Heyne, München 1989.
  • D. Voss: Psychoanalyse tut gut – ein Ratgeber für Hilfesuchende. Psychosozial-Verlag, Gießen 2011.
  • John G. Watkins, Helen H. Watkins: Ego-States. Theorie und Therapie. 1. Aufl., Carl-Auer-Systeme-Verlag, Heidelberg 2003, ISBN 3-89670-414-1. (dt. Übersetzung; engl. Originaltitel: Ego states. Theory and Therapy)
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Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer