Systemische Therapie

Ein psychotherapeutisches und ärztliches Verfahren des Privatinum.

  1. Definition
  2. Information
  3. Theorie
  4. Therapieansätze
  5. Zusammenfassung
  6. Quellen

1. Definition der Therapie

Bei der Systemischen Therapie handelt es sich um eine Psychotherapie, die seelische und körperliche Störungen bzw. Erkrankungen als Folge der auf den Patienten [1] und sein soziales Umfeld einwirkende Störungen versteht. Die Therapie sieht deshalb ihr Ziel darin, Kommunikation und Struktur in einer Gruppe, Familie oder Zweierbeziehung zu korrigieren und zu regulieren.

Es geht um die Umsetzung von Behandlungen, die auf Information, Interaktion und Rückkoppelung als zentrales Konzept basieren. Allgemein ausgedrückt kann dies bei jeder Therapie zwischen Arzt und Patient geschehen, wenn beide Seiten sich im Dialog begegnen.

Bezogen auf die Psychiatrie bedeutet dies, daß nicht nur der kranke Mensch im Mittelpunkt steht, sondern auch sein soziales Umfeld, d. h. seine Beziehungen zur Familie, zum Arbeits- oder zum sonstigem sozialen Umfeld (Sozialpsychiatrie).

Eng mit der Psychiatrie verbunden ist die Psychosomatische Medizin, die sich mit den Auswirkungen der seelischen Verfassung auf den Körper beschäftigt. Dazu zählen körperlichen Störungen, die sich seelisch auswirken (Somatopsychische Medizin).

Die Systemische Therapie stellt eine prozessorientierte bzw. interaktive Diagnostik und Behandlungsform systemischer und zirkulär bedingter oder ausgelöster Erkrankungen dar.

Indirekt erfolgt aber auch bei anderen Pychotherapien eine Einflussnahme auf das systemische Erleben des Kranken, da therapeutische Beziehung immer zirkulären und rekursiven Prozessen unterliegt.

[1] Aus didaktischen Gründen werden männliche und weibliche Bezeichnungen durch allgemeine Begriffe wie “der Mensch” oder “die Person” ersetzt. Wenn die neutrale Ausdrucksweise nicht möglich ist, werden Begriffe wie “der Patient” für beide Geschlechter angewandt.

2. Information

a) Prinzipien der Systemischen Therapie

Die Anwendung der systemischer Behandlung basiert auf gewissen Prinzipien

  • Integration ganzheitlicher Faktoren in Diagnostik und Therapie.
  • Kooperation von Patient und Therapeut
  • Therapie und Eigenverantwortung des Patienten ergänzen sich
  • Integration von Psychotherapie, Medizin und Beratung, auch durch Bildung interdisziplinärer Teams
b) Möglichkeiten der Systemischen Therapie

Die Systemischen Therapie zielt ab auf eine komplexe  Erfassung gesundheitlicher Störungen und Aktivierung der Selbstregulation von Seele und Körper – auch in sozialer Hinsicht.

  • Die Therapie gelingt bei entsprechender Indikation durch zirkulär gesteuerte psychische, somatische oder soziale Impulse des Psychotherapeuten oder Arztes.
  • Sie zeigt sich auch in psychodynamisch (tiefenpsychologisch/ psychoanalytich) oder verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Therapien, da es auch dort um die Erarbeitung stabiler sozialer Konstrukte geht.
  • Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie Konflikte, psychische und somatische Störungen eines Menschen in Beziehung zu seinem sozialen Umfeld besonders berücksichtigt.
  • Sie strebt die Integration des erkrankten Menschen in seinem gesellschaftliches Umfeld an (Systemische-, Familien- und Paartherapie).
  • Sie kann bei entsprechender Indikation Heilung auf psychosomatischer, psychischer, und somatischer Ebene ermöglichen.

3. Theorie

a) Kybernetische Systemtheorie
b) Selbstorganisation
c) Selbstregulation
a) Kybernetische Systemtheorie

Der Begriff Kybernetik geht auf Norbert Wiener zurück. Er hat den Begriff von dem griechischen Wort „Steuermann“ abgeleitet und damit den Rückkoppelungsmechanismus in seinem Buch „Mensch und Menschmaschine, Kybernetik und Gesellschaft“ beschrieben (1948). Im Deutschen wird der Begriff „Regelungstechnik“ als Synonym für Kybernetik verwandt.

Das Beispiel eines Thermostats verdeutlicht das Prinzip eines kybernetischen Systems: Der Mensch fordert eine bestimmte Raumtemperatur, die der Thermostat mit der richtigen Temperatur vergleicht. Weichen Werte voneinander ab, reguliert der Thermostat die Raumtemperatur auf das geforderte Maß.

Ein kybernetisches System ist nach Ludwig von Bertalanffy ein „besonderes System, das sich von anderen Systemen durch das Prinzip der Selbstorganisation unterscheidet“.

Ein offenes System verfügt über veränderbare Beziehungen seiner Teile, die durch nicht vorhersehbare Einflüsse variiert werden. Durch die Veränderbarkeit gelingt es den Systemen “Psyche und Umfeld”, sich in einem therapeutischen und sebstregulativen Prozess auszubalancieren. Dies ist ein Fließgleichgewicht, Gewisse Komponenten entfallen, neue Komponenten kommen hinzu. Insgesamt wird bei betroffenen Systemen ein Gleichgewicht angestrebt und möglichst erhalten.

Natürliche systemIsche Interaktionen erfolgen zwischen zentralem Nervensystem, Körper und Umwelt durch Information, Interaktion, Rückkoppelung und Selbststeuerung.

Auch jede medizinische Behandlung ist Ausdruck des gleichen Prozesses. In ihr erfolgt

  • sprachliche Information oder somatischer Impuls/ Eingriff
  • eine verbale und nonverbale Interaktion zwischen Arzt und Patient
  • eine Klärung krankheitsspezifischer Fakten (Rückkopplung) und
  • eine Selbststeuerung des Körpers und der Psyche [„Der Arzt behandelt, die Natur heilt” (Hippokrates)].

Änderung des Menschen erfolgt immer mit und durch anderen
Offene Systeme entwickeln mit der Umwelt eine Interaktion, sie ergänzen sich gegenseitig und wechseln sich in ihren Aufgaben ab. Dabei behalten sie ihre primäre Bestimmung bei. Sie bleiben sich sozusagen treu. Sie können sich nur selbst ändern („Black Box“), auch wenn sie von außen beeinflusst werden. Dies ist das Prinzip der Selbstorganisation und der Selbstregulation. Heinz v. Foerster spricht bei der Kybernetik lebender Systeme. Von Zirkularität, von Rückbezüglichkeit und von Reproduzierbarkeit. Somit sind selbstorganisatorische Prozesse lebender Systeme zirkulär und rekursiv. “Der Steuernde ist auch der Beeinflusste und der sich änderte”.

Beispiel:
Ein Arzt beurteilt einen Patienten einerseits neutral, andererseits nicht, weil dieser ihn durch sozialen Hintergrund, Sprache, Ausdruck, Alter und Geschlecht, des weiteren durch die Art der Erkrankung unbewusst oder bewusst beeinflusst. Genauso beeinflusst der Arzt den Patienten unbewusst oder bewusst. Eine neutrale Begegnung ist deshalb nicht wirklich möglich. Neutralität ist wie Objektivität auch Subjektivität. (Literatur: „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“ – Heinz von Foerster -).

Im Sinne Niklas Luhmanns geht die Rückkoppelung sich selbst korrigierender Prozesse aber nicht ohne Sinn („soziale und psychische Systeme operieren mit Sinn“). Dies bedeutet, dass eine Behandlung ohne Sinn (oder Ziel) für den Patienten und das therapeutisches Umfeld nicht optimal wirken kann. Optimal gesehen ist der Patient bereit, zu vertrauen, der Therapeut ist bereit, ihn zu würdigen (zu validieren). In einem weiteren Prozess ist der Patient bereit, etwas in seinem Leben zu betrachten und zu reflektieren, der Therapeut dadurch in der Lage, ihm Impulse zu geben, um einen selbstregulierenden Prozess in Gang zu setzen.

Systemische Therapie bezieht sich besonders auf die Psychiatrie und Psychosomatik. In der Psychiatrie geht es um die zirkuläre und rekursive Bedeutung des zentralen Nervensystems, der Psyche und des Körpers, Der Begriff Psychosomatik wiederum drückt die zirkuläre Vernetzung von Psyche und Körper aus (Gehirn mit einbezogen).

Die Systemische Therapie ist somit Teil einer sozio-psycho-somatischen Medizin die sich z B. wiederfindet in der

  • Psychologischen MedizinPsychiatrie (mit Neuropsychologie), Psychosomatische. Medizin –
  • der Sozialmedizin – Soziologie, Familienmedizin
  • der Psychotherapeutischen Medizin – Verhaltenstherapie, Psychodynamische Psychotherapie, Paar- & Familientherapie –
  • und der Somatischen MedizinNeurologie, Schmerztherapie, Neurobiologie, Physikalische Medizin, Allgemeine – und Innere Medizin mit Organmedizin und Immunologie, Umweltmedizin

Sinn und Zweck eines sich selbst regelnden Systems
Die Kybernetik bietet eine Möglichkeit, den Begriff „Sinn“ und „Leben“ eines sozialen Systems und damit auch eines erkrankten Menschen rekursiv zu verstehen: „Der Zweck (Nutzen) „eines komplexen Systems, etwa eines Lebewesens, ist es selbst“ [H. von Foerster]. Ein Zweck braucht keinen vom System getrennten Sinn. Der Zweck ist der Sinn. Zum Beispiel spielt ein kleines Kind, freut sich daran und hinterfragt sich selbst nicht. Der Sinn und Zweck seines Daseins ist in diesem Moment sein Spiel und seine Freude.

Niklas Luhmann geht in seiner sozialen Kybernetik weiter, indem er feststellt, daß der Einzelne in sozialen Systemen „nicht existiert“, stattdessen sein Kommunikationsstil und seine Kommunikation: „Soziale Systeme bestehen nur aus Kommunikation, nicht aus Individuen und erschaffen als solche sich selbst.“. Demnach sind wir, weil wir informieren, kommunizieren und verstehen (Zirkularität) Weil wir dies tun, entsteht Rückbezüglichkeit, d.h. wir lernen voneinander und entwickeln uns durch Beziehung. Wir geben unser Wissen und unsere Fähigkeiten an die nächste Generation weiter. Ziel dieses Prozesses ist unsere Selbsterhaltung als Mensch. Im systemischen Sinne geht es bei Luhmann, Maturane, von Foerster, Bertalaffny, u.a. immer um eine Feststellung: Leben (und damit wohl auch Therapie) gelingt durch Zirkularität und Rekursivität.

b) Selbstorganisation

Ein selbstorganisierendes System definiert seine grundlegende Struktur als Funktion seiner Erfahrung mit sich und seiner Umwelt. Bereits diese von Farley und Clark 1954 formulierte Definition des Begriffes „Selbstorganisation“ besitzt starke Zusammenhänge mit aktuellen Themen der Gegenwart, wie zum Beispiel der Kybernetik neuronaler Netze.

Folgendes ist für selbstorganisierende Systeme bezeichnend:

  • Die Beschaffenheit neuronaler und auch sozialer Netze haben Einfluss auf dessen Einzelteile (Organe oder Personen).
  • Die Teile der Systeme (z. B. Immunsystem oder einzelne Gruppen von Menschen entscheiden, wie sie reagieren müssen.
  • Entsprechend handeln sie.

Ein soziales Beispiel zeigt dies anschaulich: Eine Gruppe hat auf den Einzelnen durch Sprache, Gedanken, Aktivitäten, Interessen, Intensität und Form der Beziehung Einfluss. Die Teilnehmer entscheiden bewusst oder unbewusst, wie sie auf die Gruppe durch Themenwahl der Gespräche, Affekte, und Ideen reagieren. Der Einzelne und die Gruppe handeln dann entsprechend. In der biologischen Umwelt zeigt sich diese Selbstorganisation ebenso.

c) Selbstregulation

Von Selbstregulation sprechen.wir in der Behandlung, wenn psychotherapeutische, physikalische oder biologische Reize auf ein System z. B. das Körpersystem, die Psyche oder eine Gruppe wie Familie oder Arbeitsumfeld einwirken. Diese Reize tragen zu einem sich selbst regulierenden zirkulären und rekursiven Verhalten bei.

4. Therapiemodelle

a) Der familientherapeutische Ansatz
b) Der narrative Ansatz
c) Konstruktivismus
d) Erkenntnistheorie
e) Verstörung und Selbstregulation
a) Der familientherapeutische Ansatz

Die systemische Therapie hat sich aus der Familientherapie heraus entwickelt. In dieser stand eine narrative Sicht anfangs nicht zur Disposition.
Die ersten Familientherapeuten hatten aus unterschiedlichsten eher praktischen Erfahrungen angefangen, das Einzelsetting der Therapie zu verlassen. Es entstand der Wunsch. eine theoretisch verbindende Sprache und Argumentationsgrundlage für die Arbeit mit Familien, aber auch Paaren und sozialen Netzwerken zu haben. Die nachfolgende Unterteilung in zwei Phasen ist vereinfachend und doch wird in der Literatur von zwei Phasen –

  • der Kybernetik 1. Ordnung und
  • der Kybernetik 2. Ordnung – gesprochen.

Was ist damit gemeint?

In der ersten Phase nutzte man Konzepte aus der Systemtheorie, der Kybernetik und anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen. Ein Beispiel ist die Entwicklung von sogenannten Systemmodellen als Grundlage therapeutischer Arbeit. Dabei wurde unter Nutzung der Forschung von Dietrich Dörner – der auch Anleihen aus der Biologie und Ökologie (Frederic Vester) genommen hat, bzw. deren Ergebnisse bezüglich des Umgangs mit systemischen Problem auf psychotherapeutische Verhältnisse übertragen. Dörner hatte gezeigt, was modellhaftes Entwickeln von Analogien erfolgreicher Problemlöser, die mit systemischen Problemen am PC auszeichnet, konfrontiert werden (z.B. Simulation einer Stadt z.B.). Diese Analogien können z.B. in Anlehnung an das Modell eines Heizungssystems mit einem Brenner, Temperaturfühler, einem Abgleichsystem mit Ist- und Sollwerten, mehreren Heizkörpern etc. gebildet werden.) Diese Analogien ermöglichen Feedforward und Feedback-Prozesse, abpuffernde Effekte, aufschaukelnde Effekte – also Phänomene, welche so aus der Kybernetik bekannt waren, in Rechnung zu stellen. Mit Hilfe dieser Modelle konnte man auch dann relativ erfolgreich sein, wenn manche der relevanten Variablen gar nicht bekannt waren. Dies klang logisch nach klinischen Verhältnissen.

Also entwickelte man klinische Systemmodel­le und nutzte Begrifflichkeiten aus den Naturwissenschaften, obwohl deren Übertragung auf psychosoziale Verhältnisse nicht ganz passten. Es wurde immer deutlicher, dass die Trennung zwischen dem System und dem objektiv beobachtenden Therapeuten nicht stimmte wie auc die Konstruktivisten feststellten [H.v. Foerster u.a.] Es rückte zunehmend der kommunikative Prozess in den Mittelpunkt des Interesses, der den Arzt oder Psychotherapeuten selbst zum Teil des Systems werden ließ.

Viele Theoretiker und Forscher begannen, Ideen und Modelle aus Philosophie und Soziologie für ihre Arbeit in Betracht zu ziehen. Besonderes Interesse schenkte man Perspektiven, welche Sprache oder Kommunikation thematisierten. Beispiele dafür sind L. Wittgensteins sprachphilosophische Untersuchung, Irving Goffmans rollentheoretischen Ansätze und die Arbeiten von symbolischen Interaktionisten und Sozialkonstruktivisten.

Dabei geht es darum, dass soziale Wirklichkeit als das Ergebnis sprachlicher und symbolischer Konstrukte von Beteiligten einer Kommunikation gesehen wird.

Zwei Begriffe sind hier von besonderer Bedeutung: Diskurs und Skripte. Im Rahmen von verschiedenen Diskursen wird der Aushandlungsprozess sozialer Wirklichkeit mittels mehr oder minder fest gelegter Sprachskripte nämlich beobachtet.

  • Ein Diskurs ist ein System von Worten, Verhaltensweisen, Überzeugungen, Regeln,(auf der Basis vermeintlich gemeinsamer Werte).
  • Soziale Skripte sind Vorschriften, die Sozialverhalten betreffen. Sie definieren Handlungsformen. Sie sind gesellschaftlich und kulturell bedingt und daher von Gesellschaft zu Gesellschaft verschieden.
b) Der narrative Ansatz

Er basiert auf dem Gedanke, dass wir unserem Leben Sinn geben durch die Geschichten, die wir über uns selbst und über andere in uns tragen. Diese Geschichten oder Konstrukte können stärkend und motivierend sein, aber auch problematisch und einschränkend. Manchmal unterdrücken die problembehafteten Geschichten, bzw. die sich daraus ergebende Vorstellungen alle anderen, die hilfreich wären.

In psychosozialer Hinsicht ist somit eine narrative Perspektive nichts wirklich Neues.

So hat z.B. die Psychoanalyse seit Sigmund Freud und Alfred Adler eine implizit narrative Position eingenommen, wenn durch den Analysand sind Geschichte präsentiert wurden, auch wenn das nicht so genannt wurde [Brigitte Boothe].

Auch hat bereits in den 70er und 80erJahren die Psychologie im Rahmen des Empowermentkonzeptes, welches im Gefolge der ernüchternden Erfahrungen mit wohl meinenden Präventionen entwickelt wurde, den Stellenwert von Geschichten/Erzählungen erkannt und benannt. Ein Empowerment bedeutet so viel wie Selbstbemächtigung und diese ist gewissermaßen ein Antipode zur Demoralisierung. Die Kraft selbststärkender Geschichten sozialer Gemeinschaften oder sozialer Netzwerke und ihre Bedeutung für die Resilienz wurde erkannt und z.B. im Rahmen von sogenannten Erzählwerkstätten gefördert.

In “Erzählwerkstätten” wurden Menschen ermutigt, Geschichten zu erzählen, die meist davon handelten, wie diese eine bestimmte herausfordernde Situation oder Krise gemeistert haben. Durch die Erzählungen wurden wiederum assoziativ Geschichten bei den Zuhörern geweckt und konnten ebenfalls eingebracht werden.

Im Rahmen der Kognitiven Verhaltenstherapie haben speziell die Ansätze, welche aus kognitiven Traditionen stammen – wie die Ansätze von Beck, Ellis, Meichen baum und Mahoney – seit den 90erJahren eine zunehmend narrative Deutung erlebt, was mit der weiter unten geschilderten sozialkonstruktivistischen Sichtweise von Therapie zu tun hat. Ausgangspunkt vieler kognitiver Ansätze sind Sätze / Gedanken, welche Menschen zu sich selbst sagen und so ihr Verhalten beeinflussen (im Guten wie im Schlechten). Je globaler solche Gedanken werden, desto mehr kann ein Netzwerk miteinander verbundener Assoziationen bei Nachfragen heraus gearbeitet werden. Dies mündet nahe liegender Weise ebenfalls in eine Geschichte im Sinne narrativer Psychologie [Scholz, W.U.].
Man könnte natürlich auch die Transaktionsanalyse nennen oder das Psychodrama, wo narrative Interpretationen möglich sind. Wahrscheinlich gibt es noch andere Ansätze zu dieser Perspektive.

c) Konstruktivismus

Der Mensch macht sich von seiner Welt selbstorganisatorisch ein Bild und erlebt dabei Gefühle. Für ihn entstehen Konstrukte, die er nach ihrer Bedeutung hierarchisch einstuft und Strukturen zuordnet. Gleichzeitig verinnerlicht er sie, sie gehören in diesem Augenblick der Vergangenheit an. Ein neuer Abgleich von inneren und äußeren Bildern findet wieder statt, usw.

Beispiel: Jemand beobachtet ein bestimmtes Verhalten eines Menschen, das er interpretiert und daher auf einen bestimmten Charakter der Person schließt (Entwicklung einer Meinung). Zur Unterstützung oder zur Revidierung dieser Meinung tragen dann weitere Beobachtungen bei.

Beispiel: Lange Zeit galt die Erde als Mittelpunkt des Kosmos, um den Sonne kreist. Diese Ansicht ergab sich ausschliesslich aus subjektiven und nicht aus objektiven Beobachtungen der Menschen.

Die Summe der Konstrukte, die sich immer wieder neu bildet, gibt dem Menschen somit das Empfinden, eine stimmige Wahrnehmung oder eine realistische Sichtweise zu haben. Dies ist nicht richtig.

Konstrukte jeder Art sind deshalb immer ein Kompromiss zwischen Wirklichkeit und angenommener Wirklichkeit.

Konstrukte im Sinne der Wirklichkeit ändern sich immer wie es auch Watzlawick formuliert: „Der Konstruktivismus erschafft oder erklärt keine Wirklichkeit, sondern enthüllt, dass es

kein Innen und Außen gibt, keine Welt der dem Subjekt gegenüberstehenden Subjekte“. [Paul Watzlawick]

Wie wechselnd wir Menschen Wirklichkeit erfassen, wird auf der nebenstehenden Abbildung mit Vase und Gesicht deutlich. Beide können wir nicht gleichzeitig, sondern nur zeitlich versetzt wahrnehmen.

„Wir benötigen deshalb immer aufs Neue Konstrukte in der Bewältigung von Konflikten. Denn Konstrukte sind wie unsere Einfälle die Basis menschlicher Entwicklung“ [Erich W. Burrer]

„Ein großer Entdecker hat, als man ihn einmal befragte, wie er es anstelle, daß ihm so viel Neues eingefallen sei, darauf geantwortet: »indem ich unablässig daran dachte.« Und in der Tat, man darf wohl sagen, daß sich die unerwarteten Einfälle durch nichts anderes einstellen, als daß man sie erwartet“ [Robert Musil]

Es geht nicht um absolute Wahrheiten
Diagnostisch und therapeutisch geht es in einer systemischen Therapie um seelische und geistige Konstrukte, nicht um absolute Wahrheiten, wie man oft denkt. Konstrukte sind Ausdruck seelischer und geistiger Prozesse, d. h. sie passen sich der Wahrnehmung des einzelnen Menschen an.

„Konstrukte drücken die Fähigkeit von selbstregelnden Systemen aus, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen (Surhone Timpledon, Marseken, 2010). Sie sind auf Überleben ausgerichtet, wie die Natur es seit Jahrmillionen vormacht. Die Natur hält sich dabei an eine harte, aber wirksame Regel: Sie will das, was sie benötigt, erhalten, um im Gleichgewicht zu bleiben. Sie will nicht, wie der Mensch durch seine perfektionistische und damit manchmal eigennützige Art von Zeit zu Zeit das ökologische Gleichgewicht stören. Philosophisch gesehen stellt sich die Frage, warum wir Menschen die Umwelt durch unsere perfekte Technik und deren Abfallprodukte, die z.B. Erderwärmung erzeugen gefährden. Es ist auch kybernetisch betrachtet ineffektiv, wie wir das Immunsystem durch Luftverschmutzung, durch zu viel Desinfektionsmittel und Antibiotika schwächen. Ebenso ineffektiv ist es, dass wir unsere angeborenen sozialen Fähigkeiten wie Toleranz Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft durch Strenge, Entwertung oder Perfektion gefährden.

Offensichtlich verlassen wir uns auf die Selbstheilung von uns und der Natur. In diesem Fall werden es aber wohl kleine und größere Katastrophen sein, die uns wie in der Geschichte der Menschheit immer wieder (gegen unseren Willen) regulieren. Medizinisch betrachtet ist natürlich zu hoffen, dass dem erkrankten Menschen seine Resilienz hilft (in diesem Zusammenhang die Fähigkeit zur Zirkularität, Rekursivität und Selbstorganisation), indem er, als Teil der Natur sich auf deren Regeln wieder besinnt.

Symbole
Unabhängig von der Komplexität menschlichen Handelns, Denkens und Fühlens ist das Leben des Menschen von grundsätzlichen Regeln geprägt:

  • Es ist Interaktion (Austausch von Information) und Synergetik (Zusammenwirken), ob kognitiv, emotional oder ökologisch (biologisch, physikalisch, sozial).
  • Erinnerung von Worten, Bildern, damit einhergehenden Gefühlen und Vorstellungen stehen dabei in einer Wechselwirkung und entwickeln neurogene Muster. Sie repräsentieren sich auch als Konstrukte und Vorstellungen.
  • Vorstellungen prägen somit die erlebte und wahrgenommene Wirklichkeit. Auch Symbolbilder zählen dazu, die reale Bilder, Vorstellungen und auf sie projizierte Gefühle vereinen.

Symbole, Skizzen und Konstrukte
Möglicherweise benutzt der Mensch Symbole, Skizzen und damit Konstrukte schon seit seinen Anfängen, wie Höhlenmalereien zeigen. Sie stellten eine Skizze einer vereinfachten Wirklichkeit dar, so wie der Mensch diese damals wahrnahm. Durch sie konnte er Leben “begreifen“, speichern und einschätzen (z. B. Löwe als Symbol von Macht, Pferd als Symbol von Kraft, Sonne als Symbol der Fruchtbarkeit etc.). Felsgravierungen zeigen dies, z. B. das Sonnensymbol in Aspeberget. Die Sonne war ein Symbol der Fruchtbarkeit und der Ergiebigkeit.

Werden Konstrukte in unserer individuellen Vorstellung verändert, z.B. durch neue Symbole, ändert sich auch das Verhältnis aller sonstigen Bilder bzw. Muster und ihre neuronalen Vernetzungen zueinander. Insofern können, Symbole, Bilder,  Vorstellungen und damit Konstrukte genau wie Erfahrungen.zur Gesundung beitragen,

Ein sehr einfaches Beispiel, wie Bilder eine Gesellschaft prägen: Es war für die Gesellschaft und ihre KirchZeit von G. Galilei und N. Kopernikus und eine Herausforderung, ob die Erde der Mittelpunkt des Kosmos oder nur ein Planet unter vielen ist. Für die Welt des 16. Jahrhunderts war die Entdeckung der Erde als Planet der Sonne zunächst ohne Bedrohung. Das Konstrukt, die Erde als Mittelpunkt des Kosmos anzusehen, ging aber verloren. Die Kirche versuchte, ihre Konstrukte zu verteidigen, bis sich die Einflüsse der Aufklärung durchsetzten. Das Weltbild der Menschen und damit ihre Stellung in dieser Welt änderte sich von nun an grundlegend bis zum heutigen Tag, weil auch Erkenntnisse in der Wissenschaft sich immer ändern und ändern werden.

Therapeutisch können Konstrukte genutzt werden, indem negativ besetzte Bilder und Vorstellungen im Bewusstsein durch positiv besetzte Bilder ersetzt werden. Dies gelingt, indem sog. falsche Verschaltungen durcheinandergebracht werden (sog. Verstörung) oder/und positive Vorstellungen aktiviert werden.

d) Erkenntnistheorie

Nach der „Evolutionären Erkenntnistheorie“ von Jean Piaget (2010) kooperieren Wirklichkeit und Erkenntnisapparat des Menschen, weil im Laufe menschlicher Entwicklung sich unser Nervensystem, bes. unsere Sinne und unser Denken der Umwelt angepasst haben.

„Das Wahrgenommene unserer neuronalen Vernetzungen ist also real“ (J. Piaget, 2010).

Beispiel: Das Retten eines Ertrinkenden beweist noch lange nicht, dass dieser nicht ertrinken wollte. Vielleicht wollte er sich das Leben nehmen. Somit ist das Reale allenfalls das, was wir wahrnehmen und zu unserer Handlung passt. Ob es die Wirklichkeit widerspiegelt, wissen wir nicht. Entscheidend für den Retter war nur eines: Der andere war am Ertrinken. Damit war die subjektiv erlebte Wirklichkeit des Retters real. Sie war für ihn sinnvoll. Die Absicht des Ertrinkenden entzog sich seiner Wahrnehmung bzw. war für ihn nicht relevant. Ansonsten hätte er nicht schnell und erfolgreich eingreifen können.

Erkenntnisse, Gefühle, Gedanken und Erfahrungen eines Menschen schlagen sich dynamisch, d. h. geprägt von stetiger, wenn auch sehr geringer Veränderung im Netzwerk seiner Neuronen nieder. Mit der Änderung seiner Erkenntnisse kommt es auch zu einer Änderung der von ihm erlebten Realität. Erkenntnisse und subjektiv erlebte Realität sind somit flexibel und nicht statisch.

Gesundheit und Erkenntnis
In der Systemischen Therapie geht es darum, allen Sinnen und der emotional-kognitiven Wahrnehmung (Bilder und Symbole) eines Erkrankten Ausdruck zu verleihen, um mit dem, was ihn bewegt, in Kontakt zu kommen. Der Hirnforscher Wolf Singer (2005) meint dazu: „Erkenntnis findet nur dort statt, wo wir beobachten, denkend ordnen und uns Vorstellungen machen. Alles jenseits davon existiert nicht für uns, wird aber im Unterbewusstsein gespeichert“. Das heißt, unsere bewusste Wahrnehmung führt zur Aktivierung neuronaler Netzwerke. Dazu erforderlich ist ihre Formbarkeit bzw. eine hohe Zahl von Verknüpfungen, die Lernen ermöglicht. Das ist der funktionale Hintergrund von Aufmerksamkeit und Bewusstheit.

Erkenntnis kann also da stattfinden, wo unser Bewusstsein diese als Konstrukt zulässt.

Insofern ist jedes Ergebnis einer Therapie relativ und flexibel.

  • Relativ ist es, weil vieles, was uns bewegt, nicht immer sicher erkannt wird.
  • Flexibel ist es, weil ständig weitere Erkenntnisse folgen, die alte – korrigieren.

Letztlich sind Erkenntnisse subjektiv. Ihr Vorteil ist, dass sie eine Homöostase (ein Gleichgewicht zwischen Mensch und Umgebung) ermöglichen.
Entscheidend ist, dass die durch Erkenntnis herausgearbeiteten Konstrukte vom einzelnen Menschen angenommen werden. Es ist nicht entscheidend, ob sie der sogenannten objektiven Wirklichkeit entsprechen, die er erkenntnistheoretisch, physikalisch, biologisch und psychologisch nicht wirklich kennt.

Homöostase bedeutet somit ein Gleichgewicht der Erkenntnisse, nicht die absolute Wahrheit. Insofern ist der gesund, der fähig ist, an seine Konstrukte zu glauben. Er ist nämlich in sich ruhend. Ein Mensch ist aber vielleicht krank, weil er Wahrheit und Wirklichkeit ständig in Frage stellt. Er ist nicht in sich ruhend.

e) Verstörung und Selbstregulation

Gehen wir davon aus, dass der Mensch und sein Umfeld als selbsterhaltendes (autopoietisches) System handeln und man Veränderung durch eine sogenannte Verstörung bewirken kann, folgt natürlich die Frage, wie sie beschaffen sein muss, damit sie wirkt und eine Veränderung (möglichst auch im erwünschten Sinne des betroffenen Menschen) bewirkt.

Dies ist möglich durch gezielte Impulse (Störungen) auf nicht intakte Regelkreise (Impulse des Therapeuten und Rückmeldung des Patienten). Sie führen zur Aktivierung selbstregulativer Korrekturen im Sinne der Heilung.

Auf eine therapeutische Irritation hin reagiert der Patient somit anders als gewohnt. Dieses Verhalten bewirkt auch ein anderes des sozialen Umfeldes, Es bestätigt oder korrigiert ihn selbststeuernd.

In einer Systemischen Therapie ergänzen und korrigieren sich somit zielgerichtete und nicht zielgerichtete (selbstregulative) Prozesse.

5. Zusammenfassung

Zirkularität und Rekursivität sind Prinzipien menschlicher Begegnung und die Regeln des Lebens. Sie können beim Menschen durch die Interaktion des Körpers mit dem zentralen Nervensystems dargestellt werden (der Körper steuert den Geist  und die Seele, diese wiederum den Körper).

Jede ärztliche Behandlung bietet die Möglichkeit, über somatische Symptome, psychische Probleme, soziale Konflikte und Vorstellungen mit sich in Berührung zu kommen.

  • Für Viktor von Weizsäcker, den Begründer der Psychosomatik, war es die somatische Krankheit selbst mit ihrer Symbolik und Bedeutung, genauso dem Zeitpunkt ihres Auftretens.
  • Karl Jaspers, Psychiater und Philosoph, betonte in seiner Existenzphilosophie die von Bildern und Vorstellungen geprägte Existenz des Menschen („Ich sein, Selbst sein und Sinnsuche“).
  • Bei C. G. Jung, Psychiater und Analytiker, waren es die Symbole und Märchen, die Prägungen und Erinnerungen kollektiver Art zu Tage fördern.
  • Bei S. Freud, Neurologe und Psychoanalytiker, waren es die Konstrukte der sog. Übertragungsphantasien und Erinnerungen des Betroffenen.
  • Für den Biophysiker H. von Foerster waren es die von Erkenntnis geprägten Konstrukte des Menschen, die die Psyche reflektieren.
  • Für den Arzt und Chirurgen Hans Kilian war es das vom Glauben an Gott geprägte Konstrukt von Arzt und Patient.

Wenn in einer Psychotherapie somit Symptome, Konflikte, innere Konstrukte und Erfahrungen bei einem Menschen mit grosser Sorgfalt herausgearbeitet werden, ist das Vorgehen interaktiv (rückbezüglich und regelkreisgeprägt).

Therapeutisch geht es bei der Systemischen Therapie um die Umsetzung von Behandlungen, die auf Information, Interaktion und Rückkoppelung als zentrales Konzept basieren. Allgemein ausgedrückt kann dies bei jeder Therapie zwischen Arzt und Patient geschehen, wenn ein Vertrauensverhältnis entsteht, in dem beide Seiten sich im Dialog begegnen.

Grundsätzlich lässt man es immer in einer von Selbstregulation geprägten oder beeinflussten Psychotherapie „fließen“, läßt Assoziationen, Einfälle und Phantasien zu. Man geht „mit dem Patienten mit“ und “findet dessen Persönlichkeit”, um die es in jeder professionellen Behandlung geht. Denn wer mit sich stimmig ist, gesundet eher als ein in sich zerrissener Mensch.

6. Quellen

  • Bertalanffy von, Ludwig (1953): Biophysik des Fließgleichgewichtes.
  • Boothe, Bigitte (1994). Der Patient als Erzähler in der Psychotherapie. Göttingen/Zürich: Vandenhoeck + Ruprecht.
  • Dörner, Dietrich (2003) Die Logik des Mißlingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen.
  • Foerster von, Heinz (1998): Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.
  • Foerster von, Glasersfeld von: Wie wir uns erfinden.
  • Foerster von, Glasersfeld von u.a. Einführung in den Konstruktivismus.
  • Haken, H., Schiepek, G. (2005): Synergetik in der Psychologie.
  • Haken, H. (1978): Synergetische Ordnungsprinzipien in Physik und Datenverarbeitung.
  • Jaspers, Karl (1913): Psychopathologie.
  • Jung, C. G. (1913 und 1968): Der Mensch und seine Symbole.
  • Kilian, Hans (1963): Hinter uns steht nur der Herrgott – ein Chirurg erinnert sich.
  • Luhmann Niklas(1984): Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie.
  • Maturana, H.,Varela F. (1980): Autopoiesis and Cognition: The Realization of the Living.
  • Maturana, Humberto (2005): Wie lebendige Systeme ihre Wirklichkeit konstruieren.
  • Maturana,Varela,(1987): Der Baum der Erkenntnis: Wurzeln des menschlichen Erkennens.
  • Piaget Jean (2010): Das Weltbild des Kindes / 9.Auflage.
  • https://de.m.wikipedia.org/wiki/Helm_Stierlin
  • Singer Wolf (2005): Selbsterfahrung und neurobiologische Forschung.
  • Singer, Wolf (2002): Der Beobachter im Gehirn.
  • Scholz, W.U. (2002). Neuere Strömungen und Ansätze in der Kognitiven Verhaltenstherapie. Stuttgart: KlettCotta.
  • Stark, W. (1992). Gemeindepsychologische Geschichte(n): Zur Bedeutung v. Geschichten f.eine gemeindepsych. Perspektive
  • Surhone, Timpledon, Marseken: Adaptive Reaktion.
  • Weizsäcker, Viktor (1986–2005): Gesammelte Schriften.
  • Weizsäcker, Viktor von (2008): Warum wird man krank? Ein Lesebuch.
  • Wiener, Norbert (1952): Mensch und Menschmaschine. Kybernetik und Gesellschaft.

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