Etwa 2,7 Millionen Menschen in Deutschland praktizieren Yoga. Die Yoga-Schule beruft sich auf den jahrtausendalten achtgliedrigen Pfad des Yoga nach Patanjali. Neben den bekannten Körperhaltungen umfasst dieser Atemtechniken, Meditation und Konzentration – aber auch Selbstdisziplin und einen ethischen Lebensstil. Die Auswirkungen von Yoga auf Erkrankungen wurden seit den 1970er-Jahren in über 300 randomisierten Studien untersucht. Im Zusammenhang mit Yoga stehen bei uns meist therapeutische Ziele im Vordergrund.

Einheit von Körper und Geist
Zurück ins Gleichgewicht
Depression: Yoga besser als Sport
Supportive Psychotherapie bei Krebserkrankung
Sicherheit: Nicht gefährlicher als anderer Sport
Einheit von Körper und Geist

Während der Yogahaltungen (Asanas) kommt es zu einer bewussten Wahrnehmung des Muskeltonus und der Gelenkpositionen. Dadurch verbessern sich auch im Alltag die Körperhaltung und die Muskelspannung: So kann vor allem muskuloskelettalen Schmerzen entgegengewirkt werden.

Insbesondere bei Rücken- und Nackenschmerzen gibt es positive Auswirkungen von Yoga auf die Schmerzintensität und die Muskelfunktion. In der Nationalen Versorgungsleitlinie „Nicht-spezifischer Kreuzschmerz“ wird Yoga als gleichwertige Alternative zu Therapien wie Rückenschule, Muskeltraining oder Aerobic empfohlen. Etwa zwei Drittel aller Patienten mit Rückenschmerzen profitieren von einem Yoga-Kurs, mit langanhaltenden Verbesserungen.

Zurück ins Gleichgewicht

Chronischer Stress und eine Dysbalance des autonomen Nervensystems können zu Bluthochdruck führen. Durch Atemtechniken (Pranayama), Entspannung und Meditation, die beim Yoga praktiziert werden, kann spezifisch das parasympathische System aktiviert und somit das Ungleichgewicht ausgeglichen werden.

Bei Hypertonie-Patienten kann eine antihypertensive Wirkung von Yoga festgestellt werden, wenn der Fokus auf der Atmung und der Meditation liegt – der Bewegungs- und Haltungsaspekt scheint dabei keine Rolle zu spielen.

Auch weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Adipositas und Hyperlipidämie können durch Yoga reduziert werden.

Depression: Yoga besser als Sport

Der meditative Aspekt und die Beruhigung der Gedanken können bei Patienten mit einer Depression zu einer Symptomverbesserung führen. Zudem gibt es Hinweise, dass durch Yoga der Metabolismus von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin beeinflusst wird, welche bekanntlich eine Rolle in der Pathophysiologie der Depression spielen.

Die Schwere der Depression und komorbide Ängste können durch Yoga stärker reduziert werden als durch sportliche oder rein entspannende Aktivitäten.

Zu beachten ist: Yoga wird nur ergänzend zur psychotherapeutischen und oder pharmakologischen Behandlung eingesetzt. Patienten mit leichteren depressiven Störungen profitieren von Yoga, bei einer manifesten majoren Depression hat Yoga jedoch keinen additiven Effekt zur Medikation.

Supportive Psychotherapie bei Krebserkrankung

Der positive Einfluss auf die Psyche macht Yoga zu einer Option in der supportiven Krebstherapie. Ein aktueller Cochrane-Review zeigte, dass Yoga bei Mammakarzinom-Patientinnen die Lebensqualität fördern und die Fatigue senken kann. Dabei ist Yoga edukativen und psychotherapeutischen Verfahren überlegen und Sport ebenbürtig. Die menopausalen Symptome bei einer anti-hormonellen Therapie können durch meditatives Yoga reduziert werden. Bei Lymphom-Patienten hat Yoga positive Auswirkungen auf die Schlafqualität.

Sicherheit: Nicht gefährlicher als anderer Sport

Wie alle Sportarten wird Yoga mit einem Verletzungsrisiko assoziiert. Unerwünschte Ereignisse, wie zum Beispiel Muskelzerrungen oder -verletzungen, Bänderrisse und Frakturen, treten jedoch nicht häufiger als bei anderen Sportarten auf. Die Abbruchquote aufgrund von Verletzungen liegt bei Yoga mit 1% deutlich unter der von anderen sportlichen Aktivitäten.

Zu beachten ist: Für Glaukom-Patienten sind Umkehrhaltungen (z. B. Kopf- oder Schulterstand) kontraindiziert, da dabei der Augeninnendruck erhöht wird. Bei Vorerkrankungen sollten die Übungen idealerweise von einem Yogalehrenden mit medizinischen Kenntnissen angeleitet werden.

Menü

Prof. Dr. Dr. Erich W. Burrer